Rohstoffe:
Vom Spekulationsobjekt zum wahren Wert
Lange Zeit galten Rohstoffe wie Gold, Eisenerz oder Erdöl als Spekulationsobjekte. Diese Zeiten sind für die meisten industriell wichtigen Rohstoffe vorbei. Steigende Rohstoffpreise sind keine kurzfristige Sache mehr, sondern Ausdruck einer grundlegend veränderten Situation zwischen Angebot und Nachfrage.
Am Beispiel Erdöl lässt sich das gut beobachten: Der Energiehunger der Schwellenländer, allen voran China, wird anhalten. Selbst die Finanz- und Wirtschaftskrise konnte den Energiebedarf dort kaum senken.
Tendenz nach oben
Je größer der Wohlstand für breite Bevölkerungsteile wird, desto stärker wird der Energiehunger und der Bedarf an anderen Rohstoffen steigen. Wohlstand bedeutet mehr Individualverkehr, mehr elektrische und elektronische Geräte, mehr Konsum in jedem Teilbereich des Lebens. Um all diese Güter zu produzieren werden Rohstoffe benötigt. Durch die steigende Nachfrage werden auch die Preise steigen. Man muss sich bewusst machen, dass der Pro-Kopf-Ölverbrauch in China aktuell nur ein Fünftel des Verbrauchs in den USA beträgt. Jeder kann sich denken, was passiert, wenn statt 36 von 1.000 Chinesen 842 wie in den Vereinigten Staaten ein Auto haben. Bürgerkriege in Ölförder-Ländern wie Lybien verstärken die Unsicherheit und treiben den Preis zusätzlich in die Höhe. Ganz zu schweigen von den zurückgehenden Ölreserven und der Förderung unter immer schwierigeren Bedingungen wie Tiefseebohrungen.
Darüber hinaus sind Rohstoffe nicht nur Metalle und Erdöl, sondern auch Lebensmittel. Sie sollen langfristig unseren Bedarf an Energie befriedigen. Getreide, Mais und Zuckerrüben werden bereits zur Herstellung von Biosprit verwendet. Doch auch die Anbauflächen lassen sich nicht beliebig ausdehnen. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung. Hier könnte sich die Angebots-Nachfrage-Situation in den nächsten Jahren ebenfalls entscheidend verändern.
Volatilität im Auge behalten
Eugen Weinberg, bei der Commerzbank AG für den Bereich Commodity Research verantwortlich, geht zwar davon aus, dass die Rohstoffpreise hoch bleiben werden, macht aber auch auf ihre hohe Volatilität aufmerksam. „Davon sind alle Segmente des Rohstoffsektors betroffen“, sagt er. „So hat sich der Preis für Nickel seit 2006 innerhalb kurzer Zeit verfünffacht, dann wieder auf ein Fünftel reduziert und nun wieder verdreifacht. Auch Wetterereignisse wie die starken Regenfälle und Überschwemmungen in Australien spielen dabei eine Rolle. Deswegen gingen zum Beispiel die Preise für Kokskohle und Zucker steil nach oben. Selbst der Baumwollpreis hat sich binnen nur eines Jahres von rund 70 Cent auf über zwei Dollar verdreifacht.“ Michael Alt, bei der Commerzbank Spezialist für Rohstoffpreisabsicherung, präzisiert: „Bei den Rohstoffen lag die Schwankungsbreite bei teilweise über 50 Prozent pro Jahr, meist jedoch zumindest über 25 Prozent. Das ist bedeutend höher als bei Wechselkursen oder Zinsen.“
Experten sind sich jedoch einig: Wer Rohstoffe als langfristiges Investmentthema mit einer Buy-and-Hold-Strategie angeht, wird von der steigenden Nachfrage profitieren können.
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