| Geschrieben von: Michael Brückner | |
Investment oder Liebhaberei? Diamantschmuck und -Uhren
Ist der Kauf von Diamant-Schmuck und Diamant-Uhren unter dem Aspekt der Kapitalanlage wirklich empfehlenswert? Die Frage ist etwa ebenso schwer zu beantworten wie die nach den Trends am Kunstmarkt in den nächsten 10 oder 20 Jahren. Niemand weiß, was in Zukunft gefragt sein wird. Besitzt man dann zufällig just das, was Sammler und Investoren eifrig suchen, stehen die Chancen auf einen ansehnlichen Gewinn beim Verkauf des guten Stücks sehr gut. Doch dafür gibt es leider keine Garantie. Wer in Gold als Kapitalanlage investieren möchte, kauft Barren oder Anlagemünzen, aber nicht unbedingt goldene Ohrringe oder eine goldene Armbanduhr. Käufer, die solche Preziosen erstehen, haben weitergehende ästhetische Ansprüche, lieben das Material und das Design. Natürlich soll das Objekt der Begierde werthaltig sein, doch die Erwartung einer Rendite steht beim Kauf nicht im Vordergrund. Gleiches gilt für Diamant-Schmuck und Diamant-Uhren. Wenn Sie einen Teil Ihres Vermögens in Diamanten von hoher Qualität investieren wollen, empfehlen wir Ihnen den Kauf von ungefassten Steinen. Doch wie gesagt, nicht jeder denkt nur an Renditen, wenn er zum Juwelier geht. Beginnen wir also mit den brillanten Zeitmessern, von denen gleich eine doppelte Faszination ausgeht, vereinen sie doch die Leistungen von Juwelieren und Goldschmieden auf der einen und von Uhrmachermeistern auf der anderen Seite. Das macht schon deutlich, dass an dieser Stelle nicht von den gängigen Uhrenmarken die Rede sein soll, die in ihrer Kollektion einige Modelle mit Diamantbesatz auf den Lünetten oder Zifferblättern führen. Wir meinen vielmehr die Meisterstücke der Luxusbranchen Horlogerie und Joaillerie, also der Hohen Schule der Uhrmacher- und Juwelierskunst. Die meisten dieser schmückenden Zeitmesser kommen aus der Schweiz. Schätzungen zufolge dominieren eidgenössische Anbieter etwa 80 bis 90 Prozent des Weltmarktes für kostbare Schmuckuhren. Die Preise für solche Uhren liegen selten unter 70.000 Euro, können aber auch ein- oder gar zweistellige Millionenbeträge ausmachen. Chopard zum Beispiel – ein Hersteller, der etwa ein Drittel seiner edlen Zeitmesser mit Diamanten schmückt – hat in der Red Carpet Collection eine Roségold-Uhr mit Saphiren, Rubelliten und Diamanten im Angebot. Der Preis lag im Jahr 2010 umgerechnet bei rund 120.000 Euro. Noch tiefer in die Tasche greifen muss der Liebhaber solcher Preziosen beim Kauf der Bulgari Assioma D Watch in Weißgold mit Saphiren und Diamanten. Preis: knapp 300.000 Euro. Für die „Tigeruhr“ aus der Cartier-Serie „Le Cirque Animalier“ in Gelbgold mit Diamanten und Smaragde werden rund 120.000 Euro fällig. Aber natürlich geht es immer auch eine Nummer größer: Für eine weißgoldene Tourbillon-Uhr mit Baguettediamanten von Blancpain muss der Liebhaber circa 950.000 Euro investieren. Die teuerste Schmuckuhr aus dem Hause Chopard – das Unikat „Chopardissimo“ – wurde sogar für umgerechnet rund 13,5 Millionen Euro an einen Kunden nach Asien verkauft. Es handelte sich um eine Kombination aus drei Herzen mit 11,12 und 13 Karat, einer Uhr und einem Brillantarmband mit über 100 Karat. Es sind denn auch diese klingenden Namen aus der Welt des Luxus und der Haute Horlogerie, die in erster Linie den Ton auf dem Markt für Schmuckuhren angeben. Chopard mit seinem Klassiker „Happy Diamonds“ und Blancpain gehören ebenso dazu wie Vacheron Constantin, Parmigiani, Piaget sowie die Edel-Juweliere Bulgari, Cartier und Van Cleef & Arpels. Auch die Genfer Nobel-Manufaktur Patek Philippe schmückt manches ihrer Modelle mit Diamanten, wenngleich sehr zurückhaltend, wie es dem Stil des Hauses entspricht: Mehr sein als scheinen. So brachte Patek vor einigen Jahren sein Erfolgsmodell „Nautilus“ in Gold und mit einem feinen Diamantenkranz auf der Lünette auf den Markt. Insgesamt wurde allerdings nur ein halbes Karat Top-Wesselton-Steine verarbeitet. Dadurch wirkt die Uhr elegant, aber nicht protzig und kann auch von Männern getragen werden. Im Fall der „Nautilus“ wurde ein gängiges Modell mit Diamanten aufgewertet. Bei den klassischen Schmuckuhren jedoch handelt es sich um Sonderanfertigungen, bei denen Juweliere, Goldschmiede und Uhrmachermeister von Anfang an sehr eng zusammenarbeiten müssen. Denn Schmuck oder Schmuckuhren zu fertigen - das sind nach Ansicht von Experten fast schon zwei Berufe. Tatsächlich ist es erheblich diffiziler, ein Schmuckstück mit integrierter Uhr herzustellen als ein reines Geschmeide. Ein Zeitmesser braucht zumindest ein Uhrwerk und ein Zifferblatt. Das gilt es bei der Kreation des Schmuckstückes zu berücksichtigen. Das tickende Geheimnis der „Montres secrétes“Andere Schmuckuhren sind als solche gar nicht zu erkennen. Der Zeitmesser versteckt sich diskret im Inneren des Schmuckstückes und kommt erst zum Vorschein, wenn man auf einen bestimmten Stein drückt oder an einem Hebelchen zieht. „Montres secrétes“, also geheime Uhren, heißen diese Preziosen, die zum Beispiel Cartier schon im 19. Jahrhundert herstellte und reißenden Absatz bei seinen wohlhabenden Kunden fand.
Obwohl die Werke bei den meisten Schmuckuhren nur von sekundärer Bedeutung sind (manche greifen sogar auf die bei Sammlern wenig geschätzten Quarzwerke zurück), bauen manche Hersteller eigene Uhrwerke (Kaliber) ein – so etwa Piaget und Chopard. Doch kaum jemand dürfte sich eines besonderen Kalibers wegen für eine Schmuckuhr entscheiden. Im Vordergrund stehen eindeutig die Steine. Sie machen rund 80 Prozent des Preises solcher Uhren aus. Aus diesen Steinen ergibt sich dann das Design, das sich wiederum an den Anforderungen einer Uhr orientieren muss. Mitunter gibt ein immer wiederkehrendes Leitmotiv das Design vor. Cartier etwa greift regelmäßig Tiermotive auf – zum Beispiel Falken oder Tiger. Bulgari wiederum versucht, in jedem Jahr ein neues Leitmotiv zu kreieren. Die besondere Herausforderung für die Schmuck-Designer besteht darin, mit den passenden Steinen das Leitmotiv realistisch umzusetzen, also zum Beispiel das Fell eines Tigers mithilfe von Farbedelsteinen möglichst genau zu treffen. Der hohe Preis solcher Uhren erklärt sich auch aus der sehr geringen Auflage. Wer viel Geld für eine teure Schmuckuhr ausgibt, möchte sie nicht unbedingt am Handgelenk eines anderen sehen. Daher kommen diese Uhren nur in Kleinstauflagen auf den Markt, mitunter handelt es sich um Unikate. Bulgari meldete sogar mitten in der Finanzkrise im Jahr 2009 eine steigende Nachfrage nach „maßgefertigten Schmuckuhren“. Darauf muss der gut betuchte Käufer dann allerdings mehrere Monate warten. Doch diese Wartezeit dürften echte Liebhaber gern in Kauf nehmen, wenn sie hinterher eine Uhr bekommen, die es wirklich nur sehr selten oder eben nur einmal gibt. Dass solche in Kleinstauflage oder gar als Unikate gefertigte Schmuckuhren ein hohes Maß an Werthaltigkeit aufweisen – zumal wenn sie aus renommierten Häusern wie Chopard, Cartier, Blancpain oder Bulgari kommen -, bedarf sicher keiner Erwähnung. Allerdings liegen die „Einstiegspreise“ extrem hoch, und der Käufer zahlt nicht zuletzt für die zeitaufwändige Kreation. Zudem ist es gewiss nicht einfach, eine solche Uhr im Fall der Fälle zu verkaufen. Auch ihre Mobilität ist eingeschränkt. Schließlich: Wer eine teure Diamantuhr trägt, ist für Zöllner gemeinhin schon per se verdächtig. Daher erscheinen solche Uhren unter dem Aspekt der Kapitalanlage nur sehr bedingt geeignet. Doch wenn ein solventer Käufer Freude an einer solchen Uhr findet – warum nicht? Goldschmiede arbeiten im VerborgenenÄhnliches lässt sich auch zum Thema Schmuck konstatieren: Es ist eher eine Kapitalanlage für Liebhaber solcher Stücke. Denn selbst bei einem deutlichen Anstieg der Diamant- und Edelmetallpreise muss zum Beispiel ein Ring nicht unbedingt im Wert steigen. Schließlich steckt viel Hand- und Kopfarbeit in der Kreation und der Fertigung eines solchen Schmuckstückes. Und das wird im Fall eines Verkaufs kaum wirklich honoriert. Allenfalls Hochwertiges und Seltenes, das nicht beliebig vermehrbar ist, kann eventuell im Preis zulegen. Große Namen wirken sich ebenfalls potenziell wertsteigernd aus. Schmuck von namhaften Juwelieren lässt sich üblicherweise besser und zu attraktiveren Preisen verkaufen als Objekte von weniger bekannten Adressen. Immer vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Bei wertvollem Schmuck ist außerdem eine belastbare Expertise von einem renommierten Institut – zum Beispiel ein Gutachten von den Experten in Idar-Oberstein – dringend zu empfehlen. Vor allem Auktionshäuser achten darauf. Im Gegensatz zum Uhrenmarkt, wo die führenden Marken weltweit bekannt sind, arbeiten selbst begabte Goldschmiede eher im Verborgenen. Von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, sind ihre Namen dem breiten Publikum meist völlig unbekannt. Wer kennt zum Beispiel Andrea Remmele, Goldschmiedin aus Günzburg. Sie sicherte sich zwar im Jahr 2008 den angesehenen „Deutschen Schmuck- und Edelsteinpreis“ und genießt in Fachkreisen höchstes Ansehen, doch wertsteigernd wirkt sich dieses Talent noch nicht aus. Was vielfach fehlt, ist die Faszination eines großen Markennamens. Die Frage, ob es unter Geldanlage-Aspekten mehr Sinn macht, das handwerklich perfekte Stück eines unbekannten Goldschmiedes oder die eher weniger perfekte Arbeit eines großen Namens zu kaufen, lässt sich daher nicht beantworten. Kunst-Investoren achten auf prominente Vorbesitzer.Gehörte das Bild oder das antike Möbelstück einem einstmals berühmten Zeitgenossen, dann wirkt dies häufig wertsteigernd. Das kann auch auf Uhren und hochwertigen Schmuck zutreffen. Im November 2009 zum Beispiel wechselte eine Taschenuhr des Bayerischen Märchenkönigs Ludwig II. den Besitzer – für den stolzen Preis von 165.000 Euro. Experten hatten den Wert dieses historischen Zeitmessers auf 19.000 bis 33.000 Euro geschätzt. Ein Rubincollier der schottischen Herzogin von Roxburgh erzielte auf einer Auktion Ende 2009 einen Erlös von vier Millionen Euro. Auch in diesem Fall lagen die Experten mit ihrer Schätzung in Höhe von 800.000 Euro erkennbar daneben. Beide Beispiele belegen, dass Schmuck und Uhren von prominenten Vorbesitzern die erzielbaren Preise enorm in die Höhe treiben können. Mancher mag da an irrationalen Übertreibungen denken, aber so funktioniert der Sammlermarkt nun einmal. Der Einfluss der Psychologie ist unglaublich stark, was jeder Auktionator bestätigen kann. Der Sammler strebt danach, seine Kollektion zu vervollständigen oder etwas zu besitzen, was andere nicht haben. Entdeckt er das Objekt seiner Begierde zum Beispiel in einem Auktionskatalog, so wird er bereit sein, einen hohen Preis zu zahlen, um das betreffende Schmuckstück, das Gemälde oder die Uhr zu besitzen. Der Schätzpreis dient dann allenfalls noch der groben Orientierung, aber nicht mehr als Limit, wie die beiden erwähnten Beispiele belegen. Kommt es während der Auktion dann noch zu einem regelrechten Bietergefecht zwischen mehreren Interessenten, die alle das Objekt unbedingt haben wollen, kann der Zuschlagspreis ungeahnte Höhen erreichen. Ein sehr knappes Angebot – meist nur ein Objekt – stößt auf starke Nachfrage durch mehrere Bieter. Die Psychologie und die Kräfte des Marktes sorgen auf diese Weise für starke steigende Preise. Ob es freilich zu einer solchen Dynamik kommt, hängt davon ab, wie selten das Schmuckstück oder die Uhr ist. Taucht das gleiche Objekt immer mal wieder in Auktionen auf, ist das Preissteigerungspotenzial natürlich längst nicht so groß wie im Fall, dass die Sammler viele Jahre warten mussten, um überhaupt wieder einmal die Chance zu haben, die heißbegehrte Ware zu erwerben. Allerdings garantiert sogar ein prominenter Vorbesitzer nicht unbedingt einen guten Preis, mitunter erweisen sich solche Objekte sogar als unverkäuflich. Das musste vor einiger Zeit eine Sammlerin erfahren, die Diamantsterne verkaufen wollte, die einst die österreichische Kaiserin Sissi im Haar trug. Eine prominentere Vorbesitzerin kann man sich eigentlich nicht wünschen. Dennoch fand sich kein Käufer für diesen kaiserlichen Schmuck. Das könnte in ein paar Jahren allerdings wieder ganz anders aussehen. Die Psychologie des Sammlermarktes ist eben unberechenbar. Dennoch gibt es ohne Frage Schmuckstücke, die ihren wohlhabenden Eigentümern sogar unter Rendite-Gesichtspunkten viel Freude bereiten, was die nachfolgende Aufstellung beweist. Unser Fazit Doch wie gesagt: Wem es nicht nur um Renditen, sondern um Ästhetik, Design und vielleicht ein wenig um Besitzerstolz geht, sollte sich den Spaß an der Freude nicht nehmen lassen und in Diamant-Schmuck und Diamant-Uhren investieren. Auch wenn deren Preisentwicklung kaum seriös vorhergesagt werden kann, steht eines doch immerhin fest: Solche Preziosen werden immer einen gewissen Wert repräsentieren. Das Risiko des „Totalausfalls“, wie Banker die Möglichkeit eines 100prozentigen Verlusts mit spekulativen Anlageformen bezeichnen, besteht somit bei hochwertigem Schmuck nicht. Und ein Blick in die Geschichte zeigt, dass der Besitz von Schmuck es sogar in schwierigen Zeiten ermöglichte, ein recht kommodes Leben zu führen. Nach der russischen Revolution finanzierten die Zarentöchter die standesgemäße Unterkunft ihrer Familien in Pariser Hotels unter anderem durch den Verkauf ihres Diamant-Schmucks. Bilder: Brückner
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