| Geschrieben von: Johann Friedrich Frischeisen |
Die Märkte und der Markt Eine Entflechtung und Warnung
„Die Märkte“ sind unsicher! „Die Märkte“ greifen Spanien an! „Die Märkte“ spielen verrückt! „Gestörte Märkte“ verbreiten Ängste. Aber danach: „Der Markt“ der Staats- Anleihen steht unter Verkaufsdruck. Er trocknet mehr und mehr aus, weil keiner mehr rein will. „Mit dem Euro- Rettungsschirm ist vor allem Zeit eingekauft worden“, der „die Märkte“ beruhigen sollte. Die Transfer-Union wird von denen, die realiter bürgen sollen, gefürchtet, von den anderen gewünscht; wie eine Fata Morgana auf „dem Markt“ der Trickser und Schummler als Hoffnungs-Geflimmer unscharf herbeigesehnt. Gleich den Kontokorrent-Krediten entzweien sich die Seelen von Gläubiger und Schuldner. Man begegnet sich mit herzlichem Misstrauens-Vergnügen. Der § 125 des Lissabon-Vertrages hatte exakt zum Ziel, das zu vermeiden. Die Bestrebungen der EU-Einigungsabsicht stoßen nicht nur an die Grenzen, sie lösen sich selbsttätig auf und verwandeln sich in Scheidungs-Strategien. Die Schuldner denken an „Flucht und Vertreibung“, die Gläubiger an Pfand. Die Zwänge von Budget- Konsolidierung sind in ihrer Wirkung unabsehbar. Zugvögel ohne RouteWeil gekaufte Zeit zum heimlichen Ausstieg genutzt wird, tritt der „Markt“ auf der Stelle. Anleger zieren sich mitzuspielen, und wenn, dann nur mit hohem Aufschlag. In „den Markt“ trabt und hüpft der Tross „der Märkte“. Sie saugen Attacken-Ziele aus Gerüchten und verbreiten gezielt „Fakten“. Springt das unsicher gewordene Ziel-Objekt aus der Deckung, ist es dran. Deckung anzubieten, die aber allzu löchrig bleibt, ist die Absicht der EZB. Was ist das aber für eine unselige Bande von „Märkten“, die Angst und Schrecken verbreitet, nicht greifbar und nicht angreifbar ist, und doch sich im Unsichtbaren bewegt wie Räuber im dichten Gestrüpp, um dort anzugreifen, wo sie ‚Beute’ erwartet und sich bereichern kann, ohne die Maßgaben geordneter Wege und Verläufe? Wo steht und wohin geht sie? Es sind schlicht Geldhändler mit unterschiedlichen Vorgaben und Absichten. Sie schleichen sich an oder treten offen auf den Plan. Sie handeln mit dem weltweit Ersparten, das Anlage sucht, wie Zugvögel Rastplätze beim Fliegen. Ihr Ziel ist die Mehrung des Geldes, das als Kapital bei der Operative einmal gesucht, ein anderes Mal verflucht wird. Aber es entscheidet allein über Ziel und Start. Anders als beim Vogelflug bleibt sein Zugflug nicht bestimmbar. Die Volatilität des globalen Anleger-Kapitals verbindet diese Begrifflichkeiten. Treten diese „Märkte“ also gar nicht marktgerecht auf, sondern als Sammler und Jäger mit Überfall-Absicht auf die Güter-, Kapital- und Leistungsströme? Bewegen sie sich außerhalb jeglichen geordneten „Marktes“ im Urzustand globaler Anlage- sprich Rendite-Hascherei? Und wer sind die wahren Täter? Roulette mit der MarktwirtschaftWer hinter „den Märkten“ die Einzahlenden in unterschiedliche Bankprodukte vermutet, liegt ziemlich richtig. Es sind die auf dem Markt der innovativsten Branche gestreuten Hoffnungen auf hohen Zugewinn mit geringstmöglichem Aufwand. Schon werden aber die Investitionen in wirtschaftliche Einheiten in Betracht gezogen, manchmal auch Rohstoff-Spekulation oder BRIC-Staaten. Was aber völlig außer Acht bleibt, sind Wirkungen des Verständnisses für den „Markt“ und die „Märkte“, die so unterschiedlich sind wie „Marktplatz“ und ein Hinterhaltsplatz für die Überfälle auf wohlfeile Beute. Wer so leichtfertig einen „Markt“- Begriff verspielt und ihn austauschbar macht mit Furcht-Potenzialen, darf sich nicht wundern, wenn die fach-ferne Bevölkerung unter „Markt“ diese Ansammlung von „Teufelsrittern“ versteht, die man nicht einmal hängen kann. Ordnungspolitisch ein Sündenfall, der der Wegelagerei der „Märkte“ ziemlich gleich kommt in mittelfristig schädlichen Auswirkungen. Bevölkerungsbildung ist nämlich auf diesem Bildungsgebiet im Urzustand der „Jäger und Sammler“. Marktwirtschaft hat es schon jetzt sehr schwer, sich verständlich zu machen. Um wie viel leichter haben es Volksverführer, wenn Fachleute von Wirtschaft und Medien sich dieser unklaren Konturen-Zeichnung zwischen Märkten und Markt fortlaufend bedienen, wo „Märkte“ dem Begriff „Markt“ doch nicht das Wasser reichen können. Kauflust vor Weihnachten 2010 hat auch mit Angst vor dem Wertverlust des Geldes zu tun. „Die Märkte“ haben keinen guten Ruf. Die Polit-Umfragen bestätigen beides: Unverstand und die Ängste vor „Markt“. „Der Markt“ hat freilich alle Hände voll zu tun, die übergroßen Schäden „der Märkte“ zu beheben. Wer „Märkte“ meint, sollte sie vom Wirtschafts-„Markt“ klar trennen und ihn sauber halten. Auch die Börse ist so nicht „die Wirtschaft“! Johann Friedrich Frischeisen, Dipl.-Volkswirt, PrivDoz. |
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