| Geschrieben von: Michael Brückner | |
Edelmetalle für die stabile Vermögens-Architektur
Die Krise sei vorüber, heißt es allenthalben. Geblieben sind exorbitant hohe Staatsschulden – und geopolitische Unsicherheiten. Kaum verwunderlich, dass Edelmetalle bei den Anlegern weiter hoch im Kurs stehen. Wir sprachen mit Thomas Straub, Leiter der Niederlassung des Taurus Edelmetallshops in Lindau. Seine Prognose: Bis Ende des Jahres könnte der Goldpreis auf rund 1600 US-Dollar pro Feinunze steigen, der Preis für eine Unze Silber auf 45 bis 50 US-Dollar. Herr Straub, die wirtschaftliche Situation stellt sich ausgesprochen ambivalent dar. Auf der einen Seite boomt gerade die deutsche Wirtschaft wie lange nicht mehr. Auf der anderen Seite bleiben als Hypothek der Banken- und Euro-Krise gigantische Schuldenberge zurück. Hinzu kommen die Folgen der schweren Naturkatastrophe in Japan und die geopolitische Instabilität aufgrund der Entwicklung in Nordafrika. Wie reagieren Ihre Kunden? Straub: Wir verzeichnen eine konstant hohe Nachfrage nach Gold und Silber, wenngleich die Motivation der Anleger heute eine etwas verfeinerte ist als in den zurückliegenden Monaten. Im Frühjahr 2010 grassierte infolge der Griechenland-Krise und der ungewissen Zukunft des Euro die Angst vor einer Währungsreform. Erstmals wurde diese Gefahr als real empfunden. Das führte zu einer noch stärkeren Nachfrage nach Edelmetallen. Teilweise kam es sogar zu Lieferengpässen, was allerdings auf logistische Probleme, ausgelöst durch die Vulkanaschewolke und das tagelange Flugverbot über Europa, zurückzuführen war. Die Nachfrage insbesondere nach Gold blieb danach bis in den Juni/Juli hoch. Anschließend legte sich die Angst vor einer Währungsreform, die Anleger vertrauten weitgehend dem Krisenmanagement der Regierungen und Notenbanken. Dennoch kauften unsere Kunden weiterhin in größerem Umfang Gold und Silber.
Das klingt etwas widersprüchlich. Mit zurückgehenden Ängsten sollte normalerweise auch die Flucht ins Gold nachlassen. Wie erklären Sie sich diesen Effekt? Straub: Wir verzeichnen keine panische „Flucht“ in Edelmetalle mehr. Das ist ein gesundes Zeichen, wie ich meine. Denn eine Flucht birgt immer etwas Irrationales. Nachdem die akute Angst vor einem Währungsschnitt nachgelassen hatte, haben sich die Anleger über ihre Portfoliostruktur Gedanken gemacht. Und viele kamen zu der Erkenntnis, dass es gewiss nicht schaden kann, einen bestimmten Teil seines Vermögens in physisches Gold oder Silber anzulegen, also in Form von Barren oder Münzen. Glauben Sie, dass die Erfahrungen aufgrund der Banken- und Eurokrise nachhaltig die Nachfrage nach Gold und Silber forcieren? Straub: Davon bin ich überzeugt. Natürlich gibt es Menschen, die relativ schnell die Ereignisse der vergangenen Monate, deren Folgen noch unsere Kinder und Enkel tragen müssen, verdrängt haben. Aber mehr und mehr kritische Bürger sind doch sehr nachdenklich geworden und möchten ihr Vermögensportfolio breiter abstützen. Sie entscheiden sich für den diskreten Erwerb von Gold und Silber. Die Nachfrage nach diesen beiden Edelmetallen hält sich bei uns derzeit etwa die Waage. Manche Anlageberater empfehlen, der Anteil von physischem Gold oder anderen Edelmetallen sollte zehn Prozent des liquiden Vermögens – also unabhängig zum Beispiel von Immobilienwerten oder Unternehmensbeteiligungen – nicht übersteigen. Das sehen Sie als Edelmetallhändler sicher ganz anders... Straub: Nicht unbedingt. Ich sehe es vielleicht etwas differenzierter. Die Frage nach der Höhe des Goldanteils im Portfolio muss man individuell beantworten und dabei die Lebensphase des Kunden sowie seine weiteren Pläne und Verpflichtungen berücksichtigen. Ein Kunde, der in einer entschuldeten Immobilie wohnt, auf absehbare Zeit keinen größeren Bargeldbedarf hat und über ein sicheres und ausreichendes Einkommen verfügt, kann durchaus bis zu 30 Prozent seines Vermögens in Gold investieren. Gold hat einen entscheidenden Vorteil: Anlagemünzen und Barren sind nicht mehrwertsteuerpflichtig. Für Silbermünzen hingegen muss der Anleger sieben Prozent und bei Barren 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen. Dennoch war Silber in den vergangenen Monaten stark gefragt. Woran liegt’s, schließlich gilt Silber infolge seiner Abhängigkeit von der Konjunkturentwicklung als besonders volatil?
Straub: Die Anleger haben wahrgenommen, dass Silber in den vergangenen Monaten noch besser performte als Gold. Tatsächlich spielt Silber zum Beispiel in der Industrie und Medizin eine wichtige Rolle, das macht dieses Edelmetall naturgemäß anfällig für Konjunktureinbrüche. Andererseits ergeben sich daraus auch überdurchschnittliche Chancen in Boom-Zeiten. Außerdem werden die Silbervorräte immer knapper. Und was die Mehrwertsteuer angeht, so zahlen Anleger beim Kauf von Silbermünzen derzeit nur sieben Prozent. Ein echter Vorteil gegenüber dem Silberkauf in anderen Ländern. Im benachbarten Österreich zum Beispiel werden 20 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Allerdings fürchte ich, dass früher oder später im Zuge der Angleichung der Mehrwertsteuersätze auch in Deutschland der höhere Steuersatz von derzeit 19 Prozent sowohl für Münzen als auch für Barren gelten könnte. Wer ein größeres Silberinvestment plant, sollte also vielleicht nicht mehr allzu lange zögern. Was halten Sie von Platin und Palladium? Straub: Eine interessante Beimischung, aber kein Basis-Investment. Ich spreche in diesem Zusammenhang von einem „Add-on“. Das heißt, wenn der Anleger den von ihm gewünschten Edelmetallanteil an seinem Vermögen in Gold und Silber gedeckt hat, spricht nichts dagegen, ein paar Platin- oder Palladium-Barren zu kaufen. Für kleinere Investments gibt es bekanntlich auch Münzen aus diesen sogenannten „weißen Edelmetallen“. Für Platin und Palladium müssen aber grundsätzlich 19 Prozent Mehrwertsteuer gezahlt werden… Straub: Das ist richtig. Allerdings bieten wir unseren Kunden einen besonderen Service. Sie können ihre Palladium-, Platin- oder Silberbestände in einem besonders gesicherten Schweizer Zollfreilager verwahren lassen. In diesem Fall fällt weder beim Kauf noch beim Verkauf der Edelmetalle Mehrwertsteuer an. Der Anleger ist somit Eigentümer von physischen Edelmetallen, nur dass er sie eben nicht selbst aufbewahren muss. Der Kunde erhält eine detaillierte Kaufabrechnung sowie eine jährliche Lagerbestätigung der Taurus-Edelmetall-Gruppe. Was aber, wenn sich der Anleger entschließt, sein Platin oder Palladium doch lieber im heimischen Tresor aufzubewahren? Straub: In diesem Fall wird ihm die gewünschte Menge oder der gesamte Bestand auf Wunsch ausgehändigt, allerdings muss er dann die in der Schweiz geltende Mehrwertsteuer von aktuell acht Prozent zahlen. Nimmt der Anleger die Ware mit nach Deutschland, fällt zudem die hier geltende Mehrwertsteuer an, sofern der Anleger steuerehrlich ist und die Edelmetalle ordnungsgemäß deklariert. Wir empfehlen daher, die Edelmetalle vom Kauf bis zum Verkauf im geschlossenen System des Zollfreilagers zu belassen. Welche Kosten entstehen für diesen Service? Straub: Einmalig bis zu fünf Prozent der Anlagesumme, später 1,5 Prozent pro Jahr. Diese Anlageform ist unter anderem für Kunden interessant, die bereits zu bestimmten Teilen mit Lagerung daheim physisch gedeckt sind, zusätzliche Investitionen in Silber tätigen und sich nicht mit weiteren logistischen, sicherheits- und versicherungsspezifischen Themen auseinandersetzen möchten.
Gold bringt normalerweise keine Zinsen. Bei Ihnen aber schon. Wie kommt das? Straub: Wir bieten eine bankenunabhängige Edelmetallleihe. Das heißt, der Kunde stellt uns für eine Laufzeit von zwei Jahren seine Edelmetallbestände oder Teile davon zur Verfügung. Wir zahlen ihm dafür Zinsen in Höhe von aktuell 5,75 Prozent p.a. des Gegenwertes. Am Ende der Laufzeit erhält er seine Edelmetalle zurück. Welche Formen der physischen Goldanlage bevorzugen Ihre Kunden? Straub: Was die Stückelung angeht, bleibt nach wie vor die Unze eine der begehrtesten Größen. Bei den Münzen steht noch immer der Krügerrand hoch im Kurs. Auch die österreichischen Philharmoniker- und die kanadischen Maple Leaf-Münzen sind sehr gefragt. Wer steht hinter der Taurus Edelmetall-Gruppe, und weshalb unterhalten Sie ausgerechnet eine Niederlassung mit Ladengeschäft in Lindau am Bodensee? Straub: Die Taurus-Gruppe ist Europas größter Importeur von Gold- und Silberbarren der Raffinerie Dubai, Emirates Gold DMCC, mit den Feinheiten 995 und 999 von einem Gramm bis 31,10 Kilo. Die Noble Metal House GmbH ist ein Unternehmen der Taurus-Gruppe. Der Online-Edelmetallshop www.taurusedelmetallshop.com und die Ladengeschäfte hier in Lindau sowie in Berlin, Düsseldorf und München sind Plattformen der Noble Metal House GmbH. Weitere Filialen befinden sich in Rheinfelden (Schweiz) und Budapest. Wir sind nun seit über einem Jahr in Lindau. Wir bieten die entsprechenden Räumlichkeiten für eine professionelle und diskrete Abwicklung von Edelmetallgeschäften, selbstverständlich auch gegen im Rahmen des Geldwäschegesetzes anonyme Barzahlungen. Manche verbinden sogar ihren Edelmetallkauf mit einem Kurzurlaub hier im Dreiländereck.
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