Geschrieben von: Michael Brückner   

Die Bullion-Strategie: Münzen als Kapitalanlage

Philharmoniker

Wer an Goldmünzen denkt, dem kommt zunächst der Krügerrand in den Sinn. Das kann kaum überraschen, schließlich handelt es sich um die älteste Anlagemünze aus dem gelben Edelmetall. Doch das Angebot ist viel breiter: der kanadische Maple Leaf, die österreichische Philharmoniker-Münze, das australisches Kängeruh (Nugget), der American Buffalo und American Eagle, nicht zu vergessen die Britannia-Goldmünze aus Großbritannien und der chinesische Panda.

Für welche Münze sollte sich der Anleger entscheiden? Lesen Sie unsere Praxistipps.

Die gute Nachricht vorab: Alle genannten Münzen sind von der Mehrwertsteuer befreit. Es handelt sich um sogenannte Bullions oder Anlagemünzen. In steuerlicher Hinsicht ist es also egal, ob man Maple Leaf, Krügerrand oder eine australische Känguruh-Münze kauft. Letztlich hängt die Entscheidung von den Wünschen und Vorlieben des Anlegers ab. Grundsätzlich lassen sich fünf Gruppen von Goldmünzen-Käufern unterscheiden, wobei die reinen Sammler in der nachfolgenden Betrachtung keine Rolle spielen, da für deren Kaufentscheidung wieder ganz andere Spielregeln gelten.

Nuggets
  1. Die Pragmatiker: Sie kaufen nach der Devise „Gold ist Gold“ und schauen nur auf den Preis. Tatsächlich gibt es unter den Anlagemünzen geringfügige Unterschiede. Krügerrand, Philharmoniker und Maple Leaf sind oft ein paar Euro günstiger, bezogen jeweils auf eine Unze.
  2. Die Systematiker: Manche Anleger sind auf Goldmünzen einer ganz bestimmten Provenienz fixiert. Sei es aus persönlichen Vorlieben oder aus innerer Überzeugung. Als in Südafrika noch das Apartheid-Regime das Sagen hatte, weigerten sich viele Goldmünzen-Anleger aus gut nachvollziehbaren Gründen, Krügerrand zu erwerben. Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei. Andere Anleger bevorzugen Goldmünzen aus Europa, sprich: den Philharmoniker und die Britannia.
  3. Die Puristen: Sie legen Wert auf den größtmöglichen Feinheitsgehalt und kaufen nur Münzen, die zu 999,9 Promille aus Gold bestehen, das entspricht 24 Karat (999,9 wird bisweilen auch als „Four nine fine“ bezeichnet). Dieses Kriterium erfüllen neben dem Philharmoniker, die Maple Leaf-Münze, das Känguruh (Nugget) aus Australien, der American Buffalo und der chinesische Panda. Beim Krügerrand, der Britannia-Münze und beim American Eagle beträgt die Feinheit 916,66 Promille. Auf den Preis wirken sich diese marginalen Unterschiede indessen kaum aus. So sind der American Eagle und die Britannia sogar meist etwas teurer als die „Four nine fine“-Münze Philharmoniker.
  4. Krügerrand
  5. Die Ästheten: Sie haben zum Beispiel Vorlieben für bestimmte Motive (etwa die unterschiedlichen Tier-Abbildungen beim chinesischen Panda oder bei den begehrten australischen Lunar-Münzen). Andere kaufen nur Goldmünzen in der höchsten Prägequalität „Polierte Platte“ (PP) und sind bereit, hierfür einen bisweilen beachtlichen Aufpreis zu zahlen.
  6. Die Anspruchsvollen: Sie konzentrieren sich auf Bullions, die rar sind und – neben dem Goldpreis – einen Sammlerzuschlag versprechen. Dazu gehören zum Beispiel Krügerrand aus den Jahren 1967 bis 1969. Damals wurden jährlich nur 20.000 beziehungsweise 40.000 Stück geprägt (zum Vergleich: 1979 waren es fast fünf Millionen). Auch Philharmoniker-Münzen, deren nummerischer Wert noch auf Schilling und nicht auf Euro lautet, erzielen einen Aufpreis. Gleiches gilt für seltene Lunar-Münzen, etwa mit den Motiven Schlange, Drache und Pferd.

Bilder: Panthermedia/pro aurum

 
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