| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Griechenland, Irland, Portugal – und wer ist der Nächste?Liebe Leserin, lieber Leser, die Reaktorkatastrophe in Japan, das ungeschickte Agieren der Bundesregierung in der Libyen-Frage, das Wahldesaster in Baden-Württemberg – die Bundeskanzlerin sei von Problemen geradezu umzingelt, titelte unlängst die „Welt“. In einem so aufmerksamkeitsstarken Umfeld lassen sich freilich auch Beschlüsse umsetzen, die alles andere als populär sind. Im März war es soweit. Die Staats- und Regierungschefs der EU beschlossen weitere Milliardenzahlungen zur Rettung des Euro. Dieses Mal droht es für die Steuerzahler – vor allem in Deutschland – richtig teuer zu werden. Genau ein Jahr nach Beginn der griechischen Schuldentragödie platzte die von den Politikern genährte Hoffnung, es könne eine Art von „sanfter Euro-Rettung“ geben, die wenig oder gar nichts koste. Schließlich seien die Milliarden für den Euro-Rettungsschirm nur Garantien, hieß es. Da aber die reuigen Schuldensünder Besserung gelobten und mehr Haushaltsdisziplin versprachen, verbreitete die Bundesregierung die Illusion, die Probleme könnten sich früher oder später von selbst lösen und der Steuerzahler würde allenfalls in sehr geringem Umfang zur Kasse gebeten. Ein Trinkgeld, wenn man die Vorteile der gemeinsamen Währung bedenke. Doch nun kehrt die Realität in die Köpfe zurück. Zunächst zeigte sich, dass die ehrgeizigen Sanierungsprogramme der Problemstaaten nicht ohne Weiteres gegen den Widerstand der Bevölkerung und der jeweiligen Oppositionsparteien durchgesetzt werden konnten. Nach der Regierung in Dublin scheiterte nun der portugiesische Ministerpräsident, der in den Wochen zuvor immer wieder verkündet hatte, sein Land brauche keine Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds. Spätestens nach dem spektakulären Scheitern der Regierung in Lissabon stand die Euro-Krise wieder weit oben auf der politischen Agenda. Außerdem wurde immer deutlicher, dass zumindest im Fall von Griechenland eine Umschuldung kaum noch zu verhindern ist. Dann bliebe es nicht mehr länger nur bei Garantien. Der deutsche Staatshaushalt würde vielmehr massiv belastet. Trotzdem sehen Ökonomen keinen anderen Ausweg. „Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Griechenland wird in jedem Fall umschulden müssen“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Lars Feld, einer der sogenannten „Fünf Weisen“ zur Begutachtung der wirtschaftlichen Entwicklung. Die Regierungen zierten sich, „weil Banken insbesondere in Deutschland und Frankreich eine massive Umschuldung von staatlichen Schuldnern nicht verkraften würden. Deshalb retten wir Pleiteländer“, stellt Lars Feld fest. Dabei könnte in diesem Jahr noch die eine oder andere Hiobsbotschaft drohen. Bis Ende 2011 nämlich müssten die Staaten der Europäischen Währungsunion nicht weniger als 924 Milliarden Euro zurückzahlen oder neu finanzieren, schätzen die Ökonomen der Großbank UniCredit. „Koste es, was es wolle“ – diese trotzige Parole des vergangenen Jahres gab die Richtung vor für das Treffen der Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union Ende März. Anschließend hieß es wieder einmal, der Euro sei gerettet, und Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte 2011 sogar zum „Jahr des Vertrauens“ in den Euro. Für manchen klang das wie Pfeifen im dunklen Wald. Die Regierungsvertreter hätten die „Währungsunion 2.0“ gestartet, das umfangreichste Reformwerk seit Einführung des Euro, berichteten die Medien. Doch was die Staats- und Regierungschefs da nach reichlich Streit über die Einzelheiten ihres vermeintlichen Neustarts beschlossen hatten, mutete nicht an wie eine mutige Reform, viel eher schon wie eine in großem Aktionismus durchgezogene Generalüberholung, die wenig Neues bringt – sieht man von einer nun nicht mehr länger bestreitbaren Tatsache ab: Die Rettung des Euro - die in Wirklichkeit wohl vor allem eine Rettung der insolventen Staaten und der beteiligten Banken ist – wird immer teurer. Außerdem fließt erstmals Cash. Für den neuen Rettungsfonds ESM, der im Jahr 2013 den bisherigen Rettungsschirm EFSF ablösen wird, muss Deutschland etwa 22 Milliarden Euro überweisen. In Raten zwar, aber immerhin. Zum Vergleich: Der Staat gibt etwa ebenso viel jährlich für Arbeitslosengeld II aus. Hinzu kommen Bürgschaften in Höhe von knapp 170 Milliarden Euro. Insgesamt soll der neue Rettungsfonds ein Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro umfassen. Wie gesagt: Koste es, was es wolle. Wenn es gilt, die Schweizer Banken an die Kandare zu nehmen, sind US-Regierung und amerikanische Banken nicht eben zimperlich. Schließlich soll der brave Bürger sein Geld zu Hause beim Fiskus abliefern – und nicht diskret in der Schweiz anlegen. Politiker und Bürokraten lieben es, ständig und überall möglichst umfassenden Zugriff auf das Vermögen ihrer Bürger zu haben. Allerdings scheinen US-Geldinstitute den Finanzplatz Schweiz durchaus zu schätzen, jedenfalls sind sie gerade dabei, ihre Präsenz bei den Eidgenossen massiv auszubauen. J.P. Morgan, Morgan Stanley und Merrill Lynch haben dabei die Superreichen und die vielen Zuwanderer aus dem Ausland im Visier, die in der Schweiz eines der letzten Refugien gefunden haben. Offenkundig haben es die amerikanischen Großbanken mit den prominenten Namen nötig, immerhin versuchen sie, sich vor den Anforderungen aus den verschärften Eigenkapitalvorschriften (Basel III) zu drücken. Am Ende vermutlich mit Erfolg. „Dank ihrer globalen Macht sind die amerikanischen Finanzinstitute in der einzigartigen Lage, sich seltene Wettbewerbsvorteile auszubedingen, von denen andere Banken auf der Welt nur träumen können“, kommentiert die Schweizer Handelszeitung. Kein Traum, sondern absolute Realität ist der neue Boom der Schweizer Uhrenindustrie. Auf der BASELWORLD, der weltgrößten Messe für Uhren und Schmuck, herrschte jedenfalls Champagnerlaune. Vor allen Dingen die Chinesen greifen kräftig zu. Fünfstellige Preise scheinen sie nicht abzuschrecken. Schön für die Luxushersteller. Aber bitte, liebe Marketingstrategen: Vergesst die treuen Uhrensammler in Europa und Amerika nicht. Da loben wir uns Thierry Stern, den Präsidenten der Nobelmanufaktur Patek Philippe, der sich jetzt in einem Interview ziemlich unbeeindruckt vom China-Hype zeigte: „Wir produzieren wenig, nur etwa 40.000 Uhren pro Jahr. Wir sind nicht auf China angewiesen. Natürlich sind wir da auch präsent, aber nur mit zwei Verkaufspunkten. Wir wollen zuerst die Leute beliefern, die wir jahrzehntelang beliefert und die unsere Produkte kontinuierlich gekauft haben“. Aktuellen Moden ist Patek Philippe nie nachgelaufen – und war damit erfolgreich. Keine andere Uhrenmarke erweist sich als so werthaltig. Unter den zehn teuersten Uhren des Jahres 2010, die vom Auktionshaus Christie’s versteigert wurden, trugen neun die Signatur „Patek Philippe“. Welch ein Job-Wunder. In den 1960er Jahren gab es in Deutschland noch rund 670.000 Beamte. Heute sind es laut Statistischem Bundesamt fast 1,8 Millionen. Hinzu kommen etwa 94.000 „privatisierte Beamte“ in den Nachfolgeunternehmen der ehemaligen Bundespost. Trotz Krisen und Katastrophen – genießen Sie den Frühling!
Ab sofort steht mein neues E-Book „Wahre Werte – Geldanlage, die wirklich Spaß macht“ zum Abruf bereit. Das Werk umfasst rund 160 Seiten und behandelt die Themen Gold, Silber, Diamanten, Oldtimer, Porzellan, Uhren, Weine und Whiskys. Und das alles für nur 7,90 Euro. Also am besten gleich downloaden.
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