| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Neues aus dem Logbuch des NarrenschiffsLiebe Leserin, lieber Leser, Haben wir auf einem Narrenschiff angeheuert? Der Verdacht liegt nahe, wenn man die Diskussionen der zurückliegenden Tage und Wochen verfolgt. Scheinbar fatalistisch nehmen es die Bundesbürger hin, dass sie zur angeblichen Bewältigung der Griechenland-Krise immer stärker in finanzielle Geiselhaft genommen werden. Wagt dann aber jemand, für Steuersenkungen zu plädieren, brandet ihm das gesamte Unverständnis der veröffentlichten und eines Großteils der öffentlichen Meinung entgegen. Schließlich seien keine Spielräume da, um den fiskalischen Zugriff gerade im Mittelstand endlich etwas zu lockern, heißt es dann. Spielräume sind eigentlich nie da, egal, ob sich die Wirtschaft nun gerade in einer Rezession oder in einem Boom befindet. Es sei denn, es gilt Griechenland zu retten oder unsinnige Abwrackprämien zu finanzieren. Das lehrt uns: Finanzielle Spielräume öffnen sich nur dann, wenn Pleitestaaten die Zahlungsunfähigkeit droht, Banken um ihre Kredite und Automobilhersteller um einen Absatzmarkt bangen. Finanzielle Spielräume sind aber prinzipiell keine vorhanden, wenn es gilt, Steuererleichterungen durchzusetzen. Das mag begreifen, wer will. Für jeden unbefangenen Beobachter ist die Sache klar: Griechenland ist nicht mehr zu retten. Wir leisten uns den Luxus, mit Hunderten von Milliarden Euro den Schrecken ohne Ende zu finanzieren, statt ein Ende mit Schrecken hinzunehmen. Dabei müsste es gar kein Schrecken sein. Die Folgen einer Insolvenz Griechenlands wären durchaus beherrschbar, stellte dieser Tage der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt fest. Wie weit der griechische Karren im Dreck steckt, zeigt folgende Rechnung des Magazins €uro (7/2011). Selbst wenn Griechenland die Hälfte seiner Schulden erlassen würde, machten die Verbindlichkeiten immer noch 75 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Bei einem Schuldenzuwachs mit der derzeitigen Geschwindigkeit würde das Land der Hellenen schon in drei Jahren wieder einen Schuldenstand von 100 Prozent des BIP erreichen. Wenn über potenzielle Pleitestaaten in Euroland diskutiert wird, kommt in der Regel auch Italien ins Spiel. Tatsache ist, dass die Schulden des Apenninenstaates im vergangenen Jahr laut Eurostat, dem Statistischen Amt der EU, 119 Prozent des BIP ausmachten. Damit liegt Italien weit vor den Krisenländern Irland (92,2 Prozent) und Portugal (93 Prozent), die bereits unter den Euro-Rettungsschirm geflüchtet sind. Aber: Italien gehört zu den Ländern mit den weltweit größten Goldreserven. So verfügt das Land im Süden über achtmal höhere Bestände an diesem Edelmetall als Großbritannien. Diese Performance dürfte nicht nur Weinfreunden den Atem rauben: Der Preis für einen 1982er Chateau Lafite Rothschild hat in gut zehn Jahren um beinahe 1000 Prozent zugelegt. Auch andere Spitzenmarken aus dem Bordelais verzeichneten spektakuläre Preissteigerungen. Der Liv-ex-100 – also der in London ermittelte „Dax“ für Blue chip-Weine – erklomm im vergangenen Frühjahr ein neues Allzeithoch. Und die führenden Auktionshäuser Sotheby’s und Acker Merrall & Ondit erzielten bei ihren jüngsten Weinversteigerungen in Hongkong einen Rekordumsatz von 25 Millionen US-Dollar. Von einem wahren „Goldrausch“ berichtet das Fachmagazin „Falstaff“. Angesichts solcher rational kaum noch erklärbaren Preissprünge warnte sogar der renommierte Weinkritiker Robert M. Parker, von dessen Urteil die Wertentwicklung von Top-Gewächsen maßgeblich abhängt, indirekt vor einer Blasenbildung. „Bordeaux ist zu sehr auf den Wohlstand der asiatischen Märkte ausgerichtet. Doch unabhängig davon, dass es dort viele reiche Leute gibt, erscheinen ständig steigende Preise sehr gefährlich“, warnte Parker vor einigen Wochen. Marktbeobachter raten daher aktuell davon ab, Weine als Kapitalanlage zu kaufen. Eine scharfe Preiskorrektur dürfte nicht lange auf sich warten lassen. In Briefmarken investieren? Wie spießig. So denken viele. Doch welches Potenzial bieten die kleinsten Wertpapiere der Welt wirklich? Wir sprechen in diesen Tagen mit einigen der führenden Koryphäen auf diesem Markt. Die wichtigsten Erkenntnisse werden wir in naher Zukunft in einem Special-Report auf dieser Seite wiedergeben. Ich wünsche Ihnen einen sonnigen Juli und schöne, stressfreie Ferien!
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