| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Von Blutdiamanten und gestressten BankenLiebe Leserin, lieber Leser, nicht nur Investoren sollten auf das richtige Timing achten (was – zugegeben – selten wirklich funktioniert), auch clevere Politiker müssen wissen, wann die Zeit reif ist, um unpopuläre Beschlüsse zu verkünden, ohne dass die Masse der Bevölkerung es so richtig bemerkt. Jetzt war die Gunst der Stunde wieder gekommen – der nahtlose Übergang von der Fußballweltmeisterschaft in den Sommerurlaub. Wer mag sich da die Stimmung vermiesen lassen? Das Erregungspotenzial hält sich in solchen Zeiten in Grenzen. Und wenn die Bürger im September wieder im Alltag angekommen sind, scheint manches Ungemacht bereits vergessen. Die Bundesregierung nutzte diese Chance und beschloss eben mal die Erhöhung der Beiträge zur Krankenversicherung. Das kostet die Verbraucher pro Jahr drei Milliarden Euro. Geld, das für die Binnennachfrage nicht zur Verfügung steht. Motto: Weniger Netto vom Brutto. Derweil denken irrlichternde Oppositionspolitiker über einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent nach. Natürlich für die Besserverdiener. Dieser Begriff bleibt im Ungefähren und befriedigt somit großflächig die verbreiteten Neidreflexe. Denn Besserverdiener ist im Zweifel immer jener Schuft, der ein paar hundert Euro mehr verdient als der Nachbar. Doch Belastungen von 50 Prozent und mehr sind längst Realität – und vom Verfassungsgericht abgesegnet. Das Bruttoarbeitseinkommen eines ledigen Durchschnittsverdieners wird aktuell mit über 53 Prozent an Steuern und Sozialabgaben belastet. Wohlgemerkt: kein Besser-, sondern Durchschnittsverdiener. Die Kollegen der Welt am Sonntag gaben allen Betroffenen schon mal eine probate Empfehlung mit auf den Weg, sollte der räuberische Zugriff des Fiskus weiter eskalieren: „Wir sind dann mal weg“. In den nächsten Wochen werden sich 100 europäische Banken, darunter 15 Institute aus Deutschland, einem sogenannten Stresstest unterziehen. Dabei werden Szenarien unterstellt, von denen alle Banker und Politiker hoffen, dass sie niemals eintreten mögen. Konkret geht es darum, wie sich die Eigenkapitalquote des Geldinstituts verändert, wenn sich die Konjunktur wieder eintrüben sollte, die Zinsen steigen und weitere „faule“ Kredite in den Büchern der Banken ans Tageslicht kommen. Besonders pikant: In ihrem Worst-case-Szenario unterstellen die europäischen Bankenprüfer auch eine erneute Verschärfung der Schuldenkrise in Griechenland, Spanien, Portugal und bei anderen Defizitsündern. Hinter diesem Stresstest stehen die Europäische Zentralbank, die nationalen Notenbanken, die Aufsichtsbehörden und indirekt auch die EU-Kommission. Glaubt man dort nicht mehr an den Erfolg des 750-Milliarden-Rettungsschirms, nach dessen Vorstellung sich die Verantwortlichen stolz gegenseitig auf die Schultern klopften? Diamanten könnten vielleicht bald schon wieder mit einem hässlichen Imageproblem behaftet sein. Grund: Der Kimberley-Prozess, mit dessen Hilfe der Verkauf von sogenannten Blutdiamanten aus afrikanischen Konfliktregionen in den vergangenen Jahren deutlich reduziert wurde, erweist sich im Fall von Simbabwe als zahnloser Tiger. Nach tagelangen Beratungen in der Diamanten-Hochburg Tel Aviv konnten sich die Vertreter der am Kimberley-Prozess teilnehmenden Staaten – darunter auch die Bundesrepublik Deutschland - nicht darauf verständigen, den Boykott von Diamanten aus der legendären Marange-Mine in Simbabwe fortzusetzen. Unter dem Gangster-Regime von Staatschef Robert Mugabe werden laut Untersuchungen von internationalen Menschenrechtsorganisationen Minen-Arbeiter ermordet und gefoltert. Könnte das Land wieder Diamanten zu Weltmarktpreisen verkaufen, wüchsen die Staatseinnahmen um 1,7 Milliarden Dollar pro Jahr. Dass sich die Kimberley-Staaten nicht einigen konnten, hat einen einfachen Grund: Das Mugabe-Regime hat in Afrika viele Gegner, aber eben auch viele Anhänger. So paralysieren sich die Lager gegenseitig. Apropos Diamanten: Im August erscheint ein brisantes und unwahrscheinlich faktenreiches Buch: „Reich mit Diamanten“. Autor ist der Frankfurter Diamantengroßhändler Robert Brachfeld. Das lässt eine Werbebroschüre zur Optimierung des eigenen Geschäfts erwarten, doch dem ist nicht so. Wir durften das Manuskript exklusiv schon vor der Veröffentlichung lesen und waren beeindruckt vom Faktenreichtum und der kristallklaren Marktanalyse. Das Buch kostet 49 Euro und kann unter www.diamantbericht.de, Menüpunkt Fachbücher, bestellt werden. Die „Kapitalanlage-Sachwerte“-Redaktion verabschiedet sich an dieser Stelle in den Sommerurlaub. Ab 1. August sind wir wieder mit neuen, spannenden Themen für Sie da. Ich wünsche Ihnen sonnige, gleichwohl aber erträgliche Hundstage. Ihr Michael Brückner
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