Geschrieben von: Michael Brückner   
Steuer CDs und die Schweiz

Franken-Paradies Schweiz und Beamten-Paradies Kuba

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch wenn uns diese Erkenntnis nicht leicht fällt, aber die Faktenlage spricht dafür: Das wahre Paradies gibt es nur im real existierenden Sozialismus. Vor kurzem räumte der amtierende kubanische Staatschef Raul Castro ein, rund eine Million der im öffentlichen Dienst beschäftigten Kubaner seien eigentlich überflüssig. Im Klartext: Sie bekommen Geld für’s Nichtstun. Doch bevor wir die Karibikinsel des fidelen Revolutionsführers beneiden, sollten wir zwei relativierende Fakten berücksichtigen.

Erstens arbeiten fünf Millionen Kubaner im öffentlichen Dienst. Wenn eine Million überflüssig sind, bedeutet dies eine Quote von 20 Prozent. Und ich wage einmal die anmaßende Schätzung, dass auch 20 Prozent der deutschen Beamten nicht überlebenswichtig für unsere Nation erscheinen – und wir im Zweifel besser ohne sie leben könnten. Außerdem: Nicht zu arbeiten und trotzdem Geld zu verdienen, mag vorübergehend ganz angenehm sein, führt auf Dauer jedoch zur Verblödung. Aber im Land des Rums, der Zigarren und des Salsa lässt sich dieser Zustand zugegebenermaßen besser ertragen.


„UBS am Rande des Abgrunds“ – so lautet der Titel eines Buches der in Ägypten geborenen und seit 1981 in der Schweiz lebenden Finanzanalystin und Autorin Myret Zaki, in dem sie den Niedergang und die milliardenschwere Rettung der eidgenössischen Großbank beschreibt. Nach Beinahe-Crash, Aushöhlung des Bankgeheimnisses durch US-amerikanische Erpressermethoden und schwunghaftem Handel mit angeblichen Steuersünder-CDs schien der Finanzplatz Schweiz megaout zu sein. Seit einigen Wochen feiert er ein bemerkenswertes Comeback. Grund: Viele Europäer – vor allem Deutsche – wechseln ihre Euro in Schweizer Franken um. Nicht nur Diamanten sind anscheinend unvergänglich. Auch die eidgenössische Währung schafft es immer wieder, mit ihrer Solidität zu überzeugen.


Rainer Brüderle will ausländischen Arbeitskräften, die nach Deutschland kommen, ein Begrüßungsgeld zahlen. Vielleicht stünde seine Partei in den Meinungsumfragen heute besser da, würden ihre Protagonisten über einen in der FAZ erschienenen Denkanstoß des Wissenschaftlers Gunnar Heinsohn nachdenken: „Der wahre Reichtum der Nationen besteht in der Intelligenz ihrer Bevölkerung. Hierzulande sorgen aber die Sozial- und Einwanderungspolitik dafür, dass wir auf Dauer verarmen werden. Denn Talente aus dem Ausland werden dorthin gehen, wo sie nicht mehr als die Hälfte ihres Einkommens ans Finanzamt abführen müssen“.


Manches ist ja ganz lustig, was da Politiker und Manager verlauten lassen. Manches klingt aber einfach nur peinlich und albern. Etwa, wenn Deutschlands Bahnchef mit Blick auf die unglaubliche Pannenserie im Personenverkehr von „Herausforderungen“ spricht, weil er das Wort „Problem“ nicht in den Mund nehmen will. Kommunikationsberater haben ihm vermutlich empfohlen, so zu formulieren. Ein Indianer kennt keinen Schmerz. Und ein Manager keine Probleme, sondern nur Herausforderungen. Wenn aber ein Manager diese Herausforderungen nicht meistert, wird er selbst schnell zu einem Problem. Weil uns dieses Gesülze zunehmend nervt, werden wir an dieser Stelle ab sofort regelmäßig den „Dummschwätzer des Monats“ küren. Im Sinne der Political Correctness ist es dieses Mal eine Dummschwätzerin. Der britische Billigflieger Easyjet übertrifft hinsichtlich seiner Unpünktlichkeit sogar die Deutsche Bahn um Längen. Gern lässt man auch mal einen Flug ausfallen und behandelt aufgebrachte Passagiere wie Trottel. Und was sagt die Unternehmenschefin Carolyn McCall laut „Welt“ dazu? „Die Pünktlichkeitsperformance entspricht nicht unseren Standards“. Angesichts eines unglaublichen PR-Desasters das Wort „Performance“ überhaupt noch in den Mund zu nehmen, kommt schon einer Beleidigung der Intelligenz der Kunden gleich.
Unser Tipp: Hände weg von Easyjet-Aktien.


Tipp Nummer zwei: Behalten Sie sehr genau den Goldpreis im Auge. In den vergangenen Wochen ging er vorübergehend deutlich zurück und bot attraktive Einstiegsmöglichkeiten. Die vorübergehende Überhitzung mag abgeklungen sein, doch die Fundamentaldaten sind exzellent. So stieg im ersten Quartal die Goldnachfrage der Schmuckindustrie in Indien um sage und schreibe 300 Prozent. Auch aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten werden zunehmende Goldumsätze gemeldet.

Ich wünsche Ihnen, dass der Sommer endlich zurückkehren möge und grüße freundlich bis zum nächsten Marktkommentar

Ihr Michael Brückner

 
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