| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Arme USA! Erst „Dabbel-yu“, jetzt Double dip!Liebe Leserin, lieber Leser, „Alles wird gut“ – im deutschen Fernsehen mögen Banalitäten wie diese ausreichen, um Kultstatus zu erlangen. Im wirklichen Leben stellen sich die Dinge allerdings etwas differenzierter dar. Wer die Wirtschaftspresse in den vergangenen Wochen verfolgte, konnte den Eindruck gewinnen, wir hätten uns auf eine Zeitreise begeben. Eben noch drohte angeblich der Super-GAU unseres Finanzsystems. Und nun plötzlich feiert Wirtschaftsminister Brüderle, der einstige Weinbauminister von Rheinland-Pfalz, einen angeblichen XXL-Aufschwung. Zum Wohl! Bankenkrise war gestern. Wirklich? Hier nun ein paar ernüchternde Tatsachen: Seit Anfang des Jahres gingen in den USA fast 120 Banken Pleite. In Deutschland traf es unlängst die angebliche Ethik-Bank Noa. Tausende von Kunden zittern seither um ihre Einlagen. Mehr noch: Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis hält die Banken heute für noch gefährlicher als vor der Finanzkrise. Die Welt zitierte ihn Ende August mit der Feststellung: „Es besteht die Gefahr, dass Bankvorstände größere Risiken eingehen“, wenn sie davon ausgehen können, im Notfall vom Staat gerettet zu werden.“ In der Tat stellt sich die sogenannte „Moral Hazard“-Problematik dringlicher denn je. Wer nicht Pleite gehen kann, setzt auch gern mal alles auf eine Karte (siehe Landesbanken). Zu den größten Bankenpleiten der letzten Jahrzehnte und zu den Gründen, weshalb sich Geschichte wiederholen wird, habe ich ein Dossier geschrieben, das in Kürze erscheint. Ich werde Sie an dieser Stelle davon unterrichten und Ihnen die Bezugsquellen nennen. Erinnern Sie sich noch? Nach diversen Aktien-Crashs wurden den verunsicherten Anlegern Offene Immobilienfonds ans Herz gelegt. Dies sei eine fungible Form des Immobilien-Investments, hieß es damals. Auf Deutsch: Man konnte die Anteile an solchen Fonds täglich an die Kapitalanlagegesellschaft zurückgeben und kam so an sein Geld. Tolle Sache, nur leider wurde keinem Investor gesagt, dass dieses Rücknahmeversprechen mit der Liquidität des Immobilienfonds steht und fällt. Einige große Fonds – noch vor gar nicht allzu langer Zeit hochgelobt – sind seit Monaten geschlossen. Darunter befinden sich auch die bankenunabhängigen KanAm-Fonds. Für den Investor bedeutet dies: Er kommt nicht an seine Einlagen. Von wegen fungibel... Seien Sie grundsätzlich auf der Hut, wenn Ihnen Bankberater und angebliche Experten in den Medien eine besondere Anlageform empfehlen. In aller Regel haben die institutionellen Anleger mit dem betreffenden Investment bereits viel Geld verdient. In der nächsten Phase suchen sie gutgläubige Privatanleger, die ihnen einen lukrativen Ausstieg finanzieren. Der private Investor hingegen bleibt auf seinen verlustreichen Investments sitzen, weil er nicht wusste, auf was er sich einlässt. Asymmetrische Information nennt man so etwas. Obacht – da braut sich was zusammen! In den USA wächst die Angst vor einem konjunkturellen Absturz. Bernd Weidensteiner, USA-Experte der Commerzbank und eigentlich eher auf Seiten der Optimisten, hält nun plötzlich den gefürchteten „Double Dip“, also ein neuerliches Abdriften der US-Konjunktur in die Rezession, zumindest für möglich. Aus diplomatischen Kreisen hören wir überdies, dass schon im vierten Quartal eine neue Euro-Krise ins Haus stehen könnte. Angeblich wackeln Irland und Portugal. Trotzdem – schöne Spätsommertage!
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