Geschrieben von: Michael Brückner   
Spekulanten

„Euro Crash 2.0“ - ante portas

Liebe Leserin, lieber Leser,

im August schrieb ich an dieser Stelle von der Gefahr eines „Euro- und Banken-Crashs 2.0“ und erwähnte in diesem Zusammenhang explizit Portugal und Irland als Auslöser. Allerdings hielten wir aufgrund unserer Recherchen in Brüssel und Frankfurt erst im vierten Quartal eine Eskalation für möglich. Es ist schneller gekommen: Anfang September gab der irische Finanzminister Brian Lenihan die langfristige Zerschlagung und Aufteilung der schwer angeschlagenen Anglo Irish Bank bekannt.

Die vorübergehende Rettung dieses Kreditinstituts, das mit riskanten Immobiliendarlehen in eine existenzbedrohende Schieflage geraten war, erforderte so hohe öffentliche Mittel, dass Irland im vergangenen Jahr das größte Haushaltsdefizit der Europäischen Union verzeichnete. Portugal gelang es vor kurzem zwar, neue Staatsanleihen zu platzieren, allerdings nur gegen höhere Sicherheitszuschläge bei den Zinsen – und sicherlich auch nur angesichts der Tatsache, dass im Fall eines Staatsbankrotts die EU ihren milliardenschweren Rettungsschirm aufspannen würde.


Das bis zur Halskrause verschuldete Land der Hellenen ist ebenfalls noch nicht über dem Berg. „Ich bin davon überzeugt, dass Griechenland bald pleite sein wird“, sagte der US-Starökonom Kenneth Rogoff in einem Interview mit dem österreichischen Nachrichtenmagazin „profil“ (Ausgabe 35/2010) Und weiter: „Viele Länder, die bankrottgegangen sind, haben zuvor Hilfen empfangen – da muss man nur in die Geschichte des Währungsfonds blicken“. Dass die Europäer dennoch Griechenland mit hohen Milliardensummen vorübergehend aus der Patsche halfen, hat einen einfachen Grund: Man wollte nur Zeit gewinnen. Kenneth Rogoff bringt es auf den Punkt: „Hätte man Griechenland im Frühjahr in die Pleite geschickt, wäre das ein enormes Problem für Länder wie Spanien, Portugal oder Irland gewesen. Die Finanzmärkte hätten die Panik sofort übertragen. Und alle gleichzeitig hätte die EU nicht auffangen können“. Im Klartext: Wir haben für etliche Milliarden Euro Zeit gewonnen, das Problem aber mitnichten gelöst. Jetzt erschließt sich uns der tiefere Sinn der Aussage: „Zeit ist Geld“.


Weshalb wir noch kein Sterbenswörtchen über Thilo Sarrazin und seinen neuen Bestseller verloren hätten, fragte dieser Tage ein Leser nach. Ganz einfach: Weil wir von diesem Buch nichts halten. Kaufen Sie sich für das Geld lieber eine Flasche Wein – der ist bekömmlicher. Wir erhielten unser Sarrazin-Exemplar schon knapp eine Woche vor der offiziellen Vorstellung und nahmen das Werk unter die Lupe. Jene Passagen, denen man zuzustimmen geneigt ist, bringen nichts Neues. Das ist alles bekannt, nur darüber zu reden, geziemt sich nicht für einen politisch korrekten Menschen. Jene Argumente, die vermeintlich neu sind in Sarrazins Buch, sind gleichzeitig ziemlicher Unsinn. Übrigens: Wissen Sie, was schlecht integrierte Migranten den Staat (mithin die Steuerzahler) jährlich kosten? Mindestens 16 Milliarden Euro. Das aber sagt nicht Sarrazin, sondern eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Und noch eine Erkenntnis liefert die aktuelle Sarrazin-Debatte: Sie zeigt, wie unabhängig die Deutsche Bundesbank tatsächlich ist. Wenn ein Bundesbankpräsident Ambitionen hat, neuer EZB-Chef zu werden, sollte er präventiv schon einmal Fieberanfälle bekommen, wenn ein Beamter im Elysée-Palast hustet.


Jubel, Trubel, Heiterkeit. Die EU zeigt es den Spekulanten und Bankern. Den „Ackermännern“ geht es an den Kragen. Das freut den gestressten Kleinanleger. Die Mehrheit der Deutschen dürfte eine Finanztransaktionssteuer ganz toll finden. In Wahrheit handelt es sich um die Einführung einer Europa-Steuer. Katinka Barysch, Chefökonomin am Londoner Centre for European Reform, warnt: „Jetzt über EU-Steuern zu diskutieren, da Europa unter schwindender Legitimität leidet, hieße, die Unterstützung der Bürger zu verlieren“ (Quelle: Salzburger Nachrichten vom 8. September 2010). Außerdem zahlen nicht etwa die institutionellen Großanleger diese Transaktionssteuer. Sie werden ihre Geschäfte einfach über andere Länder abwickeln. In die Tasche greifen muss der Privatanleger. Und noch eine tolle Innovation aus Brüssel: Die Einlagensicherung der EU-Banken soll einheitlich auf 100.000 Euro festgelegt werden. Für Deutschland bedeutet dies eine eindeutige Verschlechterung der bisherigen Regelung.


Und was machen die Superreichen in dieser Situation? Sie kaufen Uhren, Diamanten und Schmuck, heißt es im 14. Wealth Report der Managementberatung Cup Gemini und der Bank of America Merrill Lynch.

By the way: In Deutschland gab es im Jahr 2009 rund 861.500 Millionäre. Mögen Sie schon oder bald dazu gehören,

das wünscht Ihnen

Ihr Michael Brückner

 
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