Geschrieben von: Michael Brückner   
Brückners Marktkommentar

Von Teenager-Mädchen, Schuldenmachern und Marketinggauklern

Liebe Leserin, lieber Leser,

während sich die Welt mit Recht über die schmutzigen Geschäfte mit Blutdiamanten aus afrikanischen Konfliktregionen empört, wird eine andere Einnahmequelle der „Warlords“ kaum thematisiert. Im März 2010 leitete die UN-Monitoring Group on Somalia einen höchst brisanten Bericht an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen weiter. Demnach sei fast die Hälfte (!) der Nahrungsmittelhilfe für Somalia diversen „Warlords“ und korrupten Mitarbeitern zugeflossen. Und auch die Vertreter der internationalen Hilfsorganisationen vor Ort erscheinen nicht immer als Vorbilder.

„Die humanitäre Hilfsgemeinschaft hat keinerlei Hemmungen, sich in Kriegs- und Krisenländern als internationaler Jetset im Urlaub zu präsentieren... Auf den Barhockern in humanitären Räumen sitzen oft blendend bezahlte Diplomlandwirte, Fachleute für Millenniumsziele oder Genderexperten mit heimischen Teenager-Mädchen auf dem Schoß“, schreibt Linda Polman, die jahrelang als Korrespondentin bei den Truppen der UN-Friedensmission in Somalia, Haiti, Ruanda und in Sierra Leone arbeitete. Dass manche Katastrophen zu einem riesigen Selbstbedienungsladen werden und Spendengelder in höchst fragwürdigen Kanälen versickern, hat vor allem einen Grund: Bislang gebe es kein übergreifendes Controlling, das den Geldeinsatz aller in einem Gebiet agierenden Organisationen koordiniere und überwache, weiß SOS-Kinderdörfer-Chef Wilfried Vyslozil.


Nichts dazugelernt? Von Staatsmännern wie Barack Obama bis hin zu Provinzpolitikerinnen wie Hannelore Kraft: Sie machen Schulden ohne Ende, weil ihnen die eigene politische Zukunft wichtiger erscheint als nachhaltig solide Staatsfinanzen. Schon im US-Haushalt des Jahres 2008/2009 klaffte eine Deckungslücke von rund 1,42 Billionen Dollar (!). Von Konsolidierung keine Spur, im Gegenteil. Der US-Präsident versucht, mit großzügigen Wahlgeschenken einer spektakulären Niederlage bei den Kongresswahlen zu entgehen. Notenbankpräsident Ben Bernanke warnt, das immer weiter ausufernde Haushaltsdefizit der USA gefährde die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Big mouth und Big spender – mehr könnte von Barack Obama nicht in Erinnerung bleiben, wenn er die nächsten Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren verlieren wird.


Erneut wurde auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober der Versuch unternommen, eBooks in Deutschland populärer zu machen. Die Leser aus der Gutenberg-Nation bevorzugen nach wie vor gedruckte Bücher, was ich sehr gut nachvollziehen kann. Das lässt sich von der deutschen Steuerlogik nicht ohne weiteres behaupten. Wer ein gedrucktes Buch kauft, zahlt 7 Prozent Mehrwertsteuer an den Fiskus. Wer sich für ein elektronisches Buch entscheidet, muss 19 Prozent berappen. Es gibt noch mehr kuriose Beispiele: Für eine Anlagemünze aus Silber werden ebenfalls nur 7 Prozent Mehrwertsteuer fällig, für einen Barren hingegen 19 Prozent. Und wenn Sie, liebe Leser, in Ihrer Mittagspause ein Würstchen in der Metzgerei verzehren, zahlen Sie lediglich 7 Prozent Mehrwertsteuer. Im Restaurant würden dafür 19 Prozent fällig. Es mag Wahnsinn sein. Aber es hat zumindest Methode.


Es schien, als habe die Finanzbranche den Stein der Weisen ausgegraben: Offene Immobilienfonds galten lange Zeit als solide Alternative zu risikoreichen Aktien. Zudem lag die Rendite in den meisten Fällen deutlich über den Zinsen für sichere Spareinlagen. Man investierte gleichsam in Betongold, konnte seine Anteile aber börsentäglich wieder zu Geld machen. „Hohe Fungibilität“ nennt man so etwas in der Branche – und der Anleger ist beeindruckt und lässt sich bereitwillig mit völlig überzogenen Ausgabeaufschlägen über den Tisch ziehen. Jetzt wurde der erste Offene Immobilienfonds dicht gemacht: Der KanAm US-grundinvest Fonds, seit jeher das Sorgenkind der Fondsgesellschaft im Frankfurter Messeturm, befindet sich in der Abwicklung. Allmählich dämmert es den privaten Anlegern: Auch Offene Immobilienfonds dienen – wie beinahe alle Fonds – zunächst einmal dazu, den Managern und den sie umgebenden Marketinggauklern die Taschen zu füllen.

Einen goldenen Herbst (trotz oder gerade wegen erneut gestiegener Goldpreise) wünscht Ihnen

Ihr Michael Brückner

 
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