Geschrieben von: Michael Brückner   
Markt und Wirtschaft, WikiLeaks

WikiLeaks und die Rache der beleidigten Leberwürste

Liebe Leserin, lieber Leser,

Nach ein paar Tagen der demonstrativen Gelassenheit blasen die beleidigten Leberwürste in den Regierungszentralen dieser Welt zum Angriff auf Wikileaks und deren Chef Julian Assange. Einige US-Politiker plädieren für die Todesstrafe, Sarah Palin würde ihn wohl am liebsten auf Guantanamo einkerkern. Und das, obgleich die Wikileaks-Enthüllungen bezüglich der Qualitäten unseres politischen Personals eigentlich nur bestätigten, was an jedem Stammtisch Konsens ist.

Aber Julian Assange hat einfach auf das falsche Pferd gesetzt. Hätte er die Namen mutmaßlicher Steuersünder ins Netz gestellt, so wäre dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht nur auf die oberhirtliche Zustimmung des Bundesverfassungsgerichts gestoßen. Ein paar Milliönchen vom Bundesnachrichtendienst hätte es obendrein gegeben. Und die politisch korrekt-indoktrinierten Bürger hätten Beifall gespendet. Also jene angeblich freien Bürger, die doch zunehmend zu Leibeigenen ihrer Schuldenstaaten werden.


Falls Sie zu den regelmäßigen Besuchern unserer Seiten zählen, dürfte Sie der Irland-Crash kaum überrascht haben. Schon vor wenigen Wochen sagte ich an dieser Stelle voraus, dass im November ein weiteres Euro-Land mit hohen Milliardensummen vor der Pleite gerettet werden müsste. Unter unseren Informanten in Brüssel, Frankfurt und Berlin war nur umstritten, ob Irland oder Portugal zuerst unter den gigantischen Rettungsschirm von EU und IWF schlüpfen würde.

Irland hat dieses zweifelhafte Rennen am Ende gewonnen, aber Portugal wird schon in Kürze folgen. Davon gehen hochkarätige Banker und Diplomaten fest aus. Die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Pleite in Portugal wird aktuell mit 80 bis 90 Prozent bewertet. Dass sogar das benachbarte Spanien um EU-Hilfe bitten muss, gilt in Insiderkreisen zu 60 bis 70 Prozent als wahrscheinlich. Keine Gefahr besteht im Augenblick offenkundig für Italien. Immerhin überlegen die Europäer schon mal, das Volumen des Rettungsschirms eventuell drastisch aufzustocken. Also keine Entwarnung in Sicht. Lassen Sie sich von dem beruhigenden Politiker-Gesäusel nicht irritieren.


Rechtzeitig zum Wintereinbruch beglückten uns die besorgten Volksvertreter mit neuem Abzock-Aktionismus. Wer ohne Winterreifen unterwegs ist, muss Strafe zahlen. Und damit auch möglichst viele Bürger bestraft werden können, fordert die Polizeigewerkschaft schon mal die Einstellung neuer Kolleginnen und Kollegen, die dann wieder dem Steuerzahler auf der Tasche liegen. Derweil wollen die Grünen den Freiberuflern ans Portemonnaie – und fordern die Einführung der Gewerbesteuer für diese Berufsgruppe. Klar, dort vermutet man die wenigsten Sympathisanten. Wenn die einstige Alternativpartei (mittlerweile ist sie ja längst etabliert) Christ- und Freidemokraten „Klientelpolitik“ vorwirft, mag dies in manchen Fällen sogar zutreffen. Doch wer in Glashäusern sitzt, sollte ganz genau nachdenken, bevor er mit Steinen wirft.


Sie haben es vermutlich in der Zeitung gelesen: Unlängst versteigerte das Auktionshaus Sotheby’s einen pinkfarbenen Diamanten mit 24,78 ct. zu einem neuen Rekordpreis von 46 Millionen US-Dollar. Diamanten in rot, grün, blau oder pink zählen zu den so genannten Fancys und kosten – sofern es sich um Naturfarben handelt – ein Vermögen. Braune Diamanten, oft auch Brownies oder „Cognac“ genannt, galten hingegen bisher als eher preisgünstig und zweite Wahl.

Doch in den vergangenen Jahren haben die braunen Edelsteine deutlich zugelegt. Am markantesten fiel die Preissteigerung bei braunen Diamanten mit Brillantschliff in der Gewichtskategorie von 0,07 bis 0,12 ct. aus. In diesem Bereich lag der Preis pro Karat im Jahr 2004 noch bei rund 90 Euro, in diesem Jahr hingegen bei 220 Euro. Das entspricht einer Steigerung von beachtlichen 144,4 Prozent. Auch die braunen Brillanten in der Gewichtskategorie 0,01 bis 0,06 Karat sind heute um fast 66,7 Prozent teurer als noch im Jahr 2004.

Die Preise für etwas größere Brillanten legten zwar ebenfalls deutlich zu, doch fiel das Plus in diesen Bereichen nicht ganz so stark aus. So verteuerten sich braune Brillanten zwischen 0,23 und 0,28 ct. lediglich um knapp 15 Prozent.

Zum Imagewandel hat sicher nicht zuletzt die Tatsache beigetragen, dass viele Brownies in der weltbekannten australischen Argyle Mine gefördert werden, die vor allem wegen ihrer Pink-Diamanten zu den ersten Adressen zählt. Wurden Brownies zunächst vorrangig zur Herstellung von Schmuckwaren im mittleren Preissegment verarbeitet, so haben mittlerweile auch führende Luxusunternehmen wie Louis Vuitton die besondere Faszination von „Cognac“-Brillanten erkannt und verwenden sie für hochwertigen Schmuck. Brownies setzen in einem Collier, Armband, Ohrring oder Ring ungewöhnliche farbliche Akzente. Sehr begehrt ist ferner die Kombination von „Cognac“-Brillanten mit Roségold.


Selbst wenn es ein wenig pathetisch klingen mag: Heute ist ein Tag des schmerzlichen Abschiednehmens. Auf meinem Schreibtisch liegt die letzte Ausgabe der Wochenzeitung Rheinischer Merkur. „Herbst im Blätterwald. Die Zeitungslandschaft wird ärmer. Unser traditionsreiches Blatt hat viele Stürme überstanden. Jetzt muss es fallen“, heißt es auf Seite eins. Ich trauere mit, denn ich war diesem Blatt lange verbunden. Ich las den „Merkur“ schon als politisch interessierter Schüler. Und über 12 Jahre lang hatte ich die Ehre, im Wirtschaftsteil dieser Wochenzeitung schreiben zu dürfen. Es hat mir immer großen Spaß bereitet.

So schüttele ich dreimal verständnislos den Kopf, weil

  1. ich nicht verstehe, dass die katholische Kirche, die den Dialog mit den Menschen dringend nötig hätte, ein so renommiertes, 65jähriges Blatt wegen eines sehr überschaubaren Subventionsbedarfs einfach opfert (sprechen nicht auch die Kirchenoberen so oft von Nachhaltigkeit?)
  2. ich nicht verstehen kann, dass sich kein engagierter Verleger fand, der diese Zeitung hätte weiterführen können (die Kooperation mit der Zeit wird sich schon bald als ziemlicher Unsinn erweisen)
  3. ich am Kiosk nur noch Mainstream-Medien finde. Und weil es mittlerweile nicht mehr gestandene Verleger, sondern Werbeagenturen sind, die über das Printangebot entscheiden. Was den flotten Jungs und Mädels mit wenig Lebenserfahrung, aber großer Klappe nicht ins Konzept passt, ist „nicht Mainstream“ und hat kaum Chancen auf Anzeigenerlöse. Denn die Entscheider in den Unternehmen hören oft mehr auf angeblich Kreative als auf den eigenen Verstand.

Wir aber bleiben unabhängig – und schreiben, was zu schreiben wir für richtig erachten.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine inspirierende Adventszeit.

Ihr Michael Brückner

 
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