| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Von Mainstream-Verlegern, Augiasställen und der teuren Euro-RettungLiebe Leserin, lieber Leser, haben Sie sich schon einmal gefragt, nach welchen Kriterien die meisten Verlage die Themen ihrer Wirtschaftsbücher auswählen? Ist im Grunde ganz einfach. Man stelle sich nur drei Fragen. Erstens: Was verlegt die Konkurrenz? Zweitens: Was läuft in den USA? Und drittens: Was ist gerade „mainstream“? So kommt es, dass in den Wirtschaftsabteilungen der Buchhandlungen thematische Ödnis herrscht. In den vergangenen Monaten hatte der Leser die Wahl zwischen masochistischer Untergangsliteratur (Inflationswelle, Crash, Mega-Pleiten, Währungsreform) und den Ergüssen der schreibenden Gutmenschen, die Ethik und Moral predigen. Dieser Tage aber vernahm ich ganz andere Töne. „In nächster Zeit haben es Negativthemen eher schwer“, schrieb da die Programmleiterin eines großen Wirtschaftsverlags. Jetzt kommt also wieder das Kontrastprogramm – all die Ratgeber, die dem noch immer crash-geschockten Anleger erzählen, wie er zum Millionär wird und mit Schrottaktien einen Haufen Geld verdient. Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, denn ich weiß es nicht. Und wenn ich es wüsste, würde ich keine Bücher schreiben, sondern viel Geld verdienen und mich auf meine eigene Vermögensverwaltung konzentrieren. Aber hat Rainer Brüderle nicht doch recht, wenn er vom „Aufschwung XXL“ schwadroniert? Rechtzeitig vor Beginn der närrischen Jahreszeit herrschen in Deutschland auch wirtschaftlich allenthalben Jubel, Trubel, Heiterkeit. In seiner mutmaßlich letzten Drei-Königs-Rede als FDP-Chef sprach Guido Westerwelle sogar vom neuen deutschen Wirtschaftswunder. Nun ja, Wunder gibt es zwar immer wieder. Das wissen wir spätestens seit Katja Ebstein. Doch das derzeitige Wirtschaftswachstum in Deutschland ist kein Wunder, sondern es beruht zum einen auf der starken Nachfrage aus China und ist zum zweiten auf Pump finanziert. Ob dies ausreicht für einen dauerhaften Aufschwung sei dahingestellt. Nach der Peitsche strenger Sparauflagen folgt nun das Zuckerbrot: Toll, wie diszipliniert und konsequent die Griechen ihren Augiasstall ausmisten. Aber vielleicht ist es am Ende doch nur eine Sisyphusarbeit, denn laut einer Schätzung der Europäischen Union wird die Gesamtverschuldung Griechenlands bis 2012 trotz aller Sparmaßnahmen auf 156 Prozent des BIP steigen. Die Schuldenkrise ist noch lange nicht überstanden und der Euro nicht gerettet. Und selbst wenn das gelingen sollte, steht eines fest: Deutschland wird zur Kasse gebeten. „Die Stabilität des Euro kostet die deutschen Steuerzahler mehr, als ihnen heute vorgegaukelt wird“, stellte DIE WELT unlängst goldrichtig fest. Halb so schlimm, schließlich erzählen uns die Vertreter der Industrieverbände in schöner Regelmäßigkeit, wie wichtig der Euro für die deutsche Wirtschaft sei. Den vom Fiskus ausgeplünderten Mittelstand wird’s freuen, wenn er immer weniger im Portmonnaie hat, aber die Aktienkurse der Industriekonzerne steigen. Das jüngste Gerücht: Spätestens im zweiten Quartal muss der EU-Hilfsfonds für die Pleitestaaten mindestens verdoppelt werden, weil es noch mehr Staaten zu retten gilt. Schon zu Beginn des neuen Jahres erreichten die Risikoaufschläge für griechische, spanische und italienische Anleihen neue Höchststände. Und sogar Frankreich gerät ins Visier der Finanzmärkte. Es mag ja eine Art Balsam für das zuletzt arg lädierte Image der europäischen Gemeinschaftswährung sein: Der Euro ist ausgerechnet dort am wertvollsten, wo es ihn strenggenommen eigentlich gar nicht geben dürfte. Die Ministaaten Monaco, San Marino und Vatikan gehören zwar weder der Europäischen Union noch der Währungsunion an, dennoch dürfen sie in beschränktem Umfang Euro-Münzen prägen. Grund hierfür sind die Währungsabkommen, die Kleinstaaten mit ihren großen Nachbarn getroffen haben. Während das Fürstentum Liechtenstein mit der Schweiz verbunden ist und daher auf den Franken setzt, schlossen Monaco, San Marino und der Vatikan Abkommen mit Frankreich beziehungsweise Italien. Auch schon vor der Euro-Einführung durften diese sehr überschaubaren Nationen eigene Münzen prägen – seinerzeit noch in Franc und Lire. Seit es die europäische Gemeinschaftswährung gibt, bringen die Kleinstaaten bis zu einer streng definierten Höchstgrenze eigene Euro-Münzen von hoher Prägequalität in Umlauf. Und das tun sie mit besonderer Hingabe, denn passionierte Sammler geben für Euro-Stücke aus diesen Ministaaten wesentlich mehr aus als den Nennwert. Zwei Euro-Münzen aus Monaco und San Marino zum Beispiel kosten aktuell mindestens das Sieben- bis Achtfache ihres nummerischen Wertes, teilweise sogar deutlich mehr. Für die Zwei-Euro-Gedenkmünze des Vatikans aus dem Jahr 2007 muss man etwa das 15- bis 20-fache rechnen. Sogar Münzen aus dem Kleinstaat Malta mit dem charakteristischen Malteserkreuz verzeichnen bereits Wertzuwächse, obwohl die Inselrepublik der Europäischen Union angehört und keinen „Exoten-Status“ genießt, wie zum Beispiel der Vatikan oder Monaco. Der Hauptgrund für diese Wertsteigerungen ist in allen Fällen die geringe Auflage der jeweiligen Münzen. Ich wünsche Ihnen einen guten Start ins neue Jahr und grüße herzlich
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