| Geschrieben von: A. Przyklenk und B. Feinstein | |
Garage statt Depot: In Oldtimer investieren
Wenn das keine röhrende Rendite ist: Im Jahr 1968 zahlte man für ein gut erhaltenes, damals 30 Jahre altes BMW 328 Cabriolet rund 7.500 D-Mark. Heute ist der „Oldie“ gut und gerne 160.000 Euro wert. Ähnlich spektakuläre Preissteigerungen erfuhr in den letzten Jahren der Typ2 VW-Bus. Ist also etwas dran an der Behauptung, Oldtimer seien nicht nur ein Hobby, sondern zugleich eine lukrative Geldanlage? In der Tat, Oldtimer (und die jüngeren Youngtimer, doch das ist ein Kapitel für sich) können eine durchaus lukrative Kapitalanlage sein, auch wenn sich nur die wenigstens von ihren Lieblingen wieder trennen möchten. Auf Zinsen und Dividenden muss der Anleger zwar verzichten, dafür genießt er aber eine emotionale Rendite. Auf wertvolle alte Autos spezialisierte Firmen haben ihre Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Auch die Finanzkrise änderte daran nicht allzu viel. Der Gesamtumsatz dieser Branche wird in Deutschland auf etwa drei Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Der Wert mancher Klassiker auf vier Rädern steigt rasant, weil sie immer beliebter werden. Die Nachfrage ist höher als das Angebot. Gab es in Deutschland 2001 noch 64.485 Fahrzeuge und Anhänger, die älter als 30 Jahre waren, so dürften es heute fast 200.000 sein – nur die angemeldeten Fahrzeuge, wohlgemerkt. Experten schätzen, dass weitere 500.000 Oldies wohlverwahrt im privaten Besitz vor sich hin schlummern.
Ein Stuttgarter Banker macht aus seiner Ansicht keinen Hehl: „Bei großen Vermögen wird breit gestreut – und da gehören auch Oldtimer dazu.“ Ein Beispiel ist ein roter Mercedes-Benz 300 SL mit Flügeltüren aus den 50er Jahren. Er wurde 2005 auf der Oldtimer-Messe „Retro Classics“ für rund 250.000 Euro verkauft. Heute muss man dafür etwa das Doppelte zahlen. Für einen italienischen Gran Turismo mit handgefertigter Aluminiumkarosse oder für ein englisches Sportcoupé aus einer Kleinserie aus den 50er Jahren darf es gerne auch eine Million sein, wenn man sie überhaupt angeboten bekommt. Information ist allesWaren Oldtimer gestern noch ein Luxusspielzeug für mechanikverliebte Freaks, so interessieren sich heute auch vermehrt Anleger für die alten Fahrzeuge. Ihnen ist egal, was unter der Motorhaube steckt, und sie wollen mit dem Fahrzeug nicht angeben. Sie interessieren sich einzig und allein für die Rendite. Für den Wiener Rainer M. Bertl, der seit über 25 Jahren klassische Fahrzeuge sammelt, haben sich Oldtimer zu einem ernst zu nehmenden Wirtschaftszweig entwickelt. Schauen wir uns zum Beispiel einen Mercedes 190SL an. Er erzielte in den vergangenen Jahren einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 5,9 Prozent p.a.. Vor Ausbruch der Finanzkrise legten gesuchte Oldtimer um bis zu 50 Prozent pro Jahr zu. Dennoch warnen Experten davor, ohne Erfahrung und nur mit Blick auf möglichst hohe Renditen alte Autos zu kaufen. Der Markt sei sehr schwierig und ein wenig mit der Börse zu vergleichen, heißt es. Diejenigen, die sich am intensivsten damit beschäftigen und frühzeitig Trends erkennen, sind am erfolgreichsten. Promi-Faktor sichert Rendite
Das mag in der Theorie einfach klingen, in der Praxis aber lässt sich diese Empfehlung schwer umsetzen. Wer sich für einen Oldtimer als Kapitalanlage entscheidet, sollte sich daher zunächst gründlich informieren. Fachbücher und Zeitschriften vermitteln erstes Basiswissen, seriöse Preisinformationen lassen sich im Internet abrufen (www.classic-data.de). Darüber hinaus sollte man vor dem Kauf auf jeden Fall einen unabhängigen Profi zurate ziehen. Oldtimer-Experte Bertl rät Einsteigern, Top-Fahrzeuge nur bei renommierten Händlern oder auf Auktionen zu erstehen. Neben dem österreichischen Dorotheum versteigern unter anderem die deutschen Auktionshäuser Lankes und Henry’s sowie das Schweizer Unternehmen Oldtimer Galerie Toffen historische Fahrzeuge. Wer schlecht erhaltene Oldtimer kauft, zahlt zwar einen günstigeren Preis, doch die Folgekosten sind zumal für Einsteiger schwer kalkulierbar. Alte Fahrzeuge im Nachhinein restaurieren zu lassen oder gar selbst Hand anzulegen, bringt nur in Ausnahmefällen den erhofften im Gewinn. Im Gegensatz dazu kann sich der Käufer bei einem Fahrzeug edler Herkunft fast sicher sein, dass sein Wert steigen wird. Besonders gefragt sind Oldtimer mit prominenten Vorbesitzern oder einer Karriere im Rennsport. Bilder: Panthermedia
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