| Geschrieben von: Michael Brückner | |
Historische Fahrzeuge: Ein „Dax für die Oldies“
Wer Anfang der 1980er Jahre gezielt in hochwertige Oldtimer investierte, darf sich heute die Hände reiben. Im Schnitt erzielte der Anleger nämlich eine Jahresrendite von 12,6 Prozent. Der US-Aktien-Leitindex Standard & Poor’s 500 legte im selben Zeitraum pro Jahr nur um durchschnittlich 10,8 Prozent zu. Das lässt sich statistisch einigermaßen nachvollziehbar belegen, seit der Investmentbanker Dietrich Hatlapa einen Preisindex für Oldtimer entwickelt hat – den HAGI. Die Abkürzung steht für „Historic Automobile Group International“. Unter der Adresse www.historicautogroup.com kann sich jeder, der Interesse an historischen Fahrzeugen und deren Preisentwicklung hat, umfassend informieren. Um einen solchen Index berechnen zu können, mussten einige gefragte Automobile ausgewählt und in einem fiktiven Portfolio gewichtet werden. Dietrich Hatlapa setzt dabei unter anderem auf den Mercedes 300 SL Roadster, den Porsche Carrera GT und den Ferrari 250 GT SWB Coupé. Diese Oldies sind mit Anteilen von 8,78, 7,32 und 6,44 Prozent im Index vertreten. Daneben entwickelte Hatlapa, der früher bei renommierten, international agierenden Finanzdienstleistern wie Barings, ING und Macquari arbeitete, separate Indices für die wichtigen Oldtimermarken Porsche und Ferrari. Immerhin: Allein im Laufe des Jahres 2009 stieg der Porsche-Index um über 17 Prozent. Und das mitten in der Finanzkrise. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) und Classic Data zogen derweil mit dem Deutschen Oldtimer Index (DOX) nach. Dieser Index weist seit 1999 einen durchschnittlichen jährlichen Wertzuwachs von 5,7 Prozent aus. Ist es also tatsächlich interessanter, sich Oldtimer in die Garage als Aktien ins Depot zu holen? Einerseits spricht die langfristige Performance historischer Fahrzeuge für ein solches Engagement, dennoch kommt es auch auf diesem Markt immer wieder mal zu Rückschlägen. Die Jahre von 1990 bis 1994 zum Beispiel bereiteten den Oldtimer-Fans keine ungetrübte Freude – zumindest, was die Renditen angeht. „Das war die Internetblase des Oldtimermarktes“, sagt Dietrich Hatlapa, verweist jedoch gleichzeitig darauf, dass seither die Preise wieder stetig anzogen. Doch längst nicht jeder Oldie beschert dem Verkäufer eine traumhafte Rendite. Im Spätsommer 2009 zum Beispiel bot das renommierte Auktionshaus Bonhams den legendären Auto Union Typ D sowie den Ferrari Daytona Spyder des Motorradstuntmans Evel Knievel an. Beide Fahrzeuge erfreuen sich in Kennerkreisen höchster Wertschätzung. Im Fall des Ferraris konnte der Verkäufer darüber hinaus auf einen prominenten Vorbesitzer verweisen. Auch dies wirkt sich in der Regel deutlich preissteigernd aus. Am Ende jedoch erreichte keines der beiden Fahrzeuge das Mindestgebot. Das zeigt, dass auch auf diesem Markt die Bäume nicht in den Himmel wachsen und kein Investor gegen Rückschläge gefeit ist. Faszination der MechanikAber immerhin: Auf wertvolle alte Autos spezialisierte Firmen haben ihre Umsätze in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Auch die Finanz- und Eurokrise in den Jahren 2008 bis 2010 änderte daran nicht allzu viel. Annähernd 3.500 Unternehmen beschäftigen sich ausschließlich oder schwerpunktmäßig mit historischen Fahrzeugen. Sie bieten deutschlandweit immerhin über 25.000 Jobs. Keine Frage, das Geschäft mit Old- und Youngtimern mag zwar in einer Nische angesiedelt sein, hat aber durchaus volkswirtschaftliche Relevanz. Mittlerweile haben auch die Automobilhersteller das Potenzial dieses Marktes erkannt. Unternehmen wie Mercedes und Audi gründeten eigene Traditionsabteilungen. Und das Mercedes Benz-Museum in Stuttgart genießt fast schon Kultstatus. Dort kann man unter zahlreichen weiteren historischen Modellen zum Beispiel die Mercedes Benz-700 Pullman-Limousine aus dem Jahr 1935 bewundern, in dem sich der japanische Kaiser Hirohito einst chauffieren ließ. Oder aber einen Mercedes-Benz 500 SL aus dem Jahr 1988, der dem Schauspieler Hardy Krüger gehörte und wohl noch zu den Youngtimern gerechnet werden darf.
Doch natürlich geht es auch eine Nummer kleiner. Die „Oldtimerei“ sei im Wesentlichen ein Hobby von Normalbürgern, weiß Mike Tetzlaff von der in Hamburg und Berlin ansässigen E. Thiesen KG, dem vermutlich ältesten Oldtimer-Händler seiner Art in Deutschland. Neun von zehn Oldtimer-Investoren seien Arbeitnehmer und keineswegs Millionäre. Je nach Erhaltungszustand, Jahrgang und Nachfrage schwanken die Preise beträchtlich. Im Jahr 2010 stand unter anderem Alfa Romeo im Fokus vieler Freunde historischer Fahrzeuge. Die seit 1987 zum italienischen Fiat-Konzern gehörende Marke feierte damals nämlich ihr 100jähriges Jubiläum. An die stolze Historie dieses Herstellers erinnerte unter anderem „Classic“, das österreichische Magazin für Technik-Geschichte, in einem umfassenden und interessanten Beitrag, der so manche Erkenntnis lieferte. Von eingeschworenen Alfa-Fans einmal abgesehen, wissen vermutlich nur die wenigsten, dass die ersten von diesem Unternehmen produzierten Fahrzeuge nicht „Alfa“, sondern „Darracq“ hießen – benannt nach dem gebürtigen Franzosen Alexandre Darracq, der das Vorgänger-Unternehmen des späteren Alfa Romeo-Konzerns einst in Neapel aus der Taufe hob. Wer sich aus diesem Anlass im Jahr 2010 einen historischen Alfa gönnen wollte, hatte bei der E. Thiesen KG die Wahl zwischen einem seltenen Alfa Romeo 6C 2500 Super Sports 1948 zum Preis von 365.000 Euro und einem deutlich jüngeren Alfa Romeo Montreal aus dem Jahr 1974 für 27.500 Euro. Der Wiener Experte Rainer M. Bertl nennt weitere begehrte Old- und Youngtimer, die für deutlich geringere Preise zu haben sind. Er selbst gerät ins Schwärmen, wenn er über den Steyr-Puch 650 TR spricht. Der österreichische Hersteller wollte in den 1950er Jahren das Geld für die Entwicklung einer eigenen Karosserie sparen und übernahm für den Kleinwagen Puch 500 die Rohkarosserie des Nuova 500 von Fiat. Ein paar Jahre später kam dieses Fahrzeug unter der Modellbezeichnung 650 T und 650 TR stärker motorisiert auf den Markt. Alle Motoren für diese Reihe stammten von Steyr-Puch. Diese automobile italienisch-österreichische Kooperation findet bis heute ihre Liebhaber. Auch die Fiat Topolino 500 C Cabrio Limousine aus den 1950er Jahren erfreut sich hoher Wertschätzung. Diesen Oldie gibt es meist schon – je nach Erhaltungszustand und Dokumentation - für deutlich unter 10.000 Euro. Bleiben wir noch einen Moment bei Oldtimern italienischer Provenienz. Ein bei Freunden klassischer Automobile weithin geschätztes Modell ist der Fiat Dino, der in den 1960er Jahren entstand. Die Besonderheit: Das Fahrzeug wurde von einem Ferrari-Motor angetrieben. Ein Fiat mit Ferrari-Triebwerk – das hat etwas, nach wie vor. Solche Oldies werden überwiegend für Preise zwischen 15.000 und 25.000 Euro angeboten. Zu den begehrtesten Oldtimern dürften die Daimler-Benz-Baureihen W114 und W115 zählen, die in Insiderkreisen nur als Mercedes/8 („Strich-acht“) bezeichnet werden, was auf das Erscheinungsjahr 1968 Bezug nimmt. Diese Fahrzeuge wurden vor allem wegen ihrer nahezu unglaublichen Zuverlässigkeit geschätzt. Somit sind noch zahlreiche „Strich-acht-Mercedes“ im Einsatz. Diese Fahrzeuge wurden im Sommer 2010 für Preise zwischen 10.000 und 15.000 Euro angeboten. Deutlich mehr investieren müssen Sie, sollten Sie sich für den Jaguar E-Type entscheiden. Dieses Sportwagen-Modell des englischen Herstellers wurde im März 1961 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt. Der Sechszylinder-Reihenmotor brachte es schon damals auf 269 PS. Doch nicht nur diese Leistung elektrisierte die Fans. Vor allem das von Malcolm Sayer entwickelte Design gilt bis heute als atemberaubend. Gut erhaltene Fahrzeuge von diesem Typ wurden im Jahr 2010 im oberen fünfstelligen Bereich gehandelt. Wer sich einen günstigeren Oldie-Sportwagen anschaffen möchte, sollte sich vielleicht für einen Porsche 914 aus den Jahren 1974/75 entscheiden. Damals wurde dieses Modell als „Volks-Porsche“ verspottet, weil es in einer Kooperation von VW und Porsche entstanden war. Heute ist dieser VW-Porsche ein begehrter Oldtimer, für den Sie etwa zwischen 13.000 und 16.000 Euro rechnen sollten.
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