| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Silber von seinen schönsten Seiten
Es müssen nicht immer Münzen sein, das Edelmetall gibt es auch mit emotionalem Mehrwert Wer in Zeiten hoher Volatilität nicht so recht weiß, ob er an den Kapitalmärkten auf die Bullen hoffen darf oder aber die Bären fürchten muss, kann ganz pragmatisch auf beide Vertreter der Börsen-Fauna setzen – und zugleich in Edelmetall investieren. Die Künstler Tilmann Krumrey und Raimund Schmelter kreierten jeweils limitierte Bulle- und Bär-Skulpturen aus Silber. Gewichtig sind beide. Krumreys Skulpturen wiegen jeweils fünf Kilogramm und kosteten vor kurzem 5800 Euro. Wer sich also beide Börsen-Tiere auf den Schreibtisch stellen wollte, musste 11600 Euro zahlen. Die aktuellen Preise erhalten Interessenten angesichts der Silberrallye auf den Rohstoffmärkten inzwischen nur noch auf Anfrage. Die Skulpturen von Raimund Schmelter gibt es in drei verschiedenen Größen. „Damit tragen wir dem unterschiedlichen Optimismus im Hinblick auf Silber Rechnung“, erläutert Frauke Deutsch, Inhaberin von „BullionArt“ in München, die seit einigen Jahren ausgesuchte Silberkunst anbietet.
Parallel zum Silberpreis ist auch die Wertschätzung des Edelmetalls gestiegen. „Seit Anfang des Jahres schnellte der Silberpreis in der Spitze um bis zu 68 Prozent nach oben“, weiß Oliver Scheurle, der zusammen mit seinem Bruder den Schmuckhersteller Quinn Scheurle in Schwäbisch Gmünd leitet. Das Unternehmen erwirtschaftet rund 80 Prozent seines Umsatzes mit Silber. Sieht man von der industriellen Nutzung des Edelmetalls einmal ab, wurde Silber früher vor allem für die Produktion von preiswertem Schmuck und Accessoires, Geschenkartikeln und natürlich für das sprichwörtliche Tafelsilber verwendet. Da aber Silber trotz seines starken Preisanstiegs immer noch erheblich günstiger ist als Gold, wird das weiße Edelmetall nun auch für andere Preziosen geschätzt. „Wären die Skulpturen Bulle und Bär aus Gold, läge der Preis schon in einer sechsstelligen Größenordnung“, sagt Frauke Deutsch. Da ist die silberne Alternative doch beträchtlich günstiger. Die Kollektion von „BullionArt“ beschränkt sich aber nicht nur auf die beiden symbolhaften Tiere aus der Welt der Börsen. Die Angebote im Katalog reichen von der kleinen Skulptur des Maya-Gottes Itzamna (275 Gramm) für ein paar hundert Euro bis hin zur zehn Kilogramm schweren Skulptur „Ring of Kerry“ des Künstlers Maximilian Verhas zum Gegenwert eines Kleinwagens.
„Wer reines Silber kaufen möchte, sollte sich für Münzen oder Barren entscheiden. Die kosten natürlich weniger als meine Skulpturen, in denen die Leistung und Kreativität der Künstler stecken“, räumt Frauke Deutsch ein. Dafür verspricht sie ihren Kunden aber einen besonderen Mehrwert: „Wir kombinieren das Kunstwerk mit einem Materialwert. So hat der Edelmetallfreund sein Silber immer im Blick und erfreut sich gleichermaßen an Schönheit und Material“. Ähnliche Glücksgefühle kann zum Beispiel ein Blick auf die Uhr erzeugen. Die Voraussetzung dafür schafft der Hersteller Quinn Scheurle. Er will der lange vernachlässigten Silberuhr zu einer Renaissance verhelfen. Um am Markt für hochwertige Uhren wahrgenommen zu werden, musste es aber schon etwas Besonderes sein. „Wir bieten mit unserer Q-Star die edelste und wahrscheinlich teuerste Silberuhr der Welt an“, berichtet Geschäftsführer Peter M. Scheurle stolz. Rund 5000 Euro kostet dieser Zeitmesser mit einem Gehäuse und Armband aus massivem 925 Sterlingsilber. Im Inneren der Uhr tickt ein alter Bekannter aus der Schweiz: das veredelte Handaufzugkaliber Unitas 6498. Dieser Silberschatz am Handgelenk ist auf 25 Exemplare limitiert. Die sportliche Variante mit Kautschukband kostet etwas mehr als die Hälfte. Davon gibt es 50 Stück. Für das im Mai 1903 als Silberwarenfabrik Franz Scheurle gegründete Unternehmen sind Silberuhren derweil kein Neuland. Verdiente die Firma in Schwäbisch Gmünd ihr Geld zunächst mit der Herstellung von hochwertigen Silbergriffen für Gehstöcke und Schirme, die einst sogar am russischen Zarenhof geschätzt wurden, so kamen später Zigarettenetuis, Puderdosen, Geschenkartikel und Tafelsilber hinzu. „Ende der 1960er Jahre haben wir dann zunächst begonnen, Damenuhren aus Silber herzustellen“, berichtet Peter M. Scheurle. Später verschwanden die Silberuhren aus der Kollektion. Der Schwerpunkt lag fortan auf der Schmuckherstellung. Seit einigen Jahren jedoch gehört Quinn Scheurle wieder zu den wenigen Herstellern, die Silberuhren für Damen und Herren auf den Markt bringen. Abgesehen von den Top-Modellen kosten die tickenden Silberstücke zwischen 600 und 1000 Euro.
Uhren aus diesem Edelmetall sind auch für Kenner und Sammler etwas ungewöhnlich. Normalerweise werden die Uhrwerke in Gehäuse aus Edelstahl, Gold oder Platin eingeschalt. Die Nobelticker-Schmiede H. Moser & Cie. in Schaffhausen überraschte vor einigen Jahren mit einem Gehäuse aus Palladium. Aber eine großformatige Uhr komplett aus Sterlingsilber und mit ansonsten eher puristischer Anmutung ist in den Portfolios selbst engagierter Sammler selten zu finden. Und sogar das Tafelsilber erscheint angesichts hoher Edelmetallpreise inzwischen wieder als interessante Assetklasse. Vor allem natürlich dann, wenn man die silbernen Schätze aus bekannten Manufakturen von seinen Vorfahren erbte. Denn heute ist der Einstieg nicht mehr ganz billig. Die legendäre Kollektion „Alt-Spaten“ der weltweit angesehenen Flensburger Silbermanufaktur Robbe und Berking kostet in ihrer 263-teiligen Variante derzeit immerhin knapp 36800 Euro. Mit diesem Wert gehört das Silberbesteck wohl eher in den Tresor als auf die Tafel – zumal selbst Großfamilien eine so umfassende Kollektion vermutlich niemals brauchen. Selbst wenn der Tisch zu Weihnachten reich gedeckt ist.
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