| Geschrieben von: Michael Brückner | |||
Nicht jede Quarzuhr ist eine wertlose „Billigzwiebel“
Als Kapitalanlage kommen nur mechanische Uhren aus bedeutenden Manufakturen in Betracht. Das hat sich längst herumgesprochen. Aber auch Quarzuhren, die in geringer Auflage erschienen und daher gesucht sind, weisen durchaus Wertsteigerungspotenzial auf. Wir sagen Ihnen, welche Marken und Modelle in Frage kommen. Üblicherweise gleicht das Verhältnis überzeugter Liebhaber edler Zeitmesser zu Quarzuhren in etwa dem von Weinfreunden zu zuckersüßer Billigbrühe aus Osteuropa. Zwar wird es keine mechanische Uhr in puncto Ganggenauigkeit jemals mit einem elektronischen Quarz-Konkurrenten aufnehmen können, doch darum geht es nicht: Quarzuhren haben einfach kein Herz, sagen Sammler. Preiswerte Elektronik ersetzt filigrane Mechanik – von der ökologischen Belastung durch Millionen von Batterien, die bei Quarzuhren in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden müssen, einmal ganz abgesehen.
So kann es nicht verwundern, dass diese Zeitmesser kaum die Gnade der Sammler fanden. Gekauft wurden nur die sehr preiswerten Modelle. Die Quarzuhren der großen Schweizer Marken indessen lagen lange Zeit wie Blei in den Vitrinen der Juweliere, die Preise gingen in den Keller. Auch auf dem Gebrauchtuhren-Markt sind diese Zeitmesser nicht gefragt, sieht man von bestimmten Modellen einmal ab. Vorläufiges Fazit: Als Kapitalanlage erscheinen sie mithin ungeeignet. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Zumindest bestimmte Quarzmodelle zweier großer Schweizer Hersteller verdienen mittlerweile sogar die Aufmerksamkeit von Sammlern und spekulativ veranlagten Investoren: Rolex und Breitling stellten jeweils nur wenige Zeitmesser mit Quarzwerken her. Die begehrtesten Modelle sind längst verkauft, gleichzeitig wächst das Interesse der Sammler. Steigende Preise erscheinen daher programmiert. Superpreis für Breitling-RaritätBei Ebay sind Quarzuhren selbst renommierter Hersteller aus der Schweiz in der Regel für ein paar hundert Euro zu haben. Oft finden sie aber sogar für diese Schnäppchenpreise keine Käufer. So rieben sich viele Uhrenfreunde verdutzt die Augen, als über die elektronische Auktionsplattform vor einiger Zeit eine Breitling SuperOcean „Deepsea“ SC mit Heliumventil aus dem Jahr 1985 für sage und schreibe 6.400 Euro ihren Besitzer wechselte. Breitling-Kenner wissen um den Grund: Diese extreme Taucheruhr wurde nur in vergleichsweise geringen Stückzahlen produziert und gilt als eine große Rarität unter allen Modellen der Schweizer Marke. Die Uhr kam auf den Markt, wenige Jahre nachdem der Unternehmer und Hobby-Pilot Ernest Schneider den siechen Konkurrenten vom todkranken Willy Breitling erworben hatte. Nicht minder interessant erscheint der Ausflug von Rolex ins Reich der Quarzwerke. Selbst manche Uhrmacher und Juweliere sind heute überrascht, wenn man ihnen eine Rolex-Quarzuhr zur Reparatur oder zum Batteriewechsel vorlegt. Dabei hatte die Schweizer Nobelmarke schon in den frühen 1950er Jahren mit elektronischen Uhren experimentiert und sich sogar ein paar Dutzend Patente gesichert. Im Jahr 1970 lancierte Rolex mit der „Quartz Date 5100“ die erste elektronische Uhr des Unternehmens. Angetrieben wurde dieser Zeitmesser vom Quarzwerk Beta 21, das unter anderem auch Omega verwendete. Von dieser Uhr produzierte Rolex gerade einmal 1.000 Stück, dann brachte der Premium-Hersteller Zeitmesser mit eigenen Quarzwerken auf den Markt: die Datejust mit dem Werk 5035 und die Day Date mit dem Werk 5055. Beide Werke gelten bis heute als Spitzenleistungen der Quarztechnologie. Nicht nur technisch, auch optisch genügen die beiden Werke den gehobenen Ansprüchen von Uhrenfreunden. Die Werke 5035 und 5055 gelten nach wie vor als die schönsten Quarzantriebe, die jemals in Uhren eingebaut wurden. „Oysterquartz“ mit Wertsteigerungspotenzial
Die „Oysterquartz“, wie die elektronischen Rolex-Modelle heißen, zeichnen sich zudem mit einem für Rolex untypischen Band und integrierten Bandanstößen aus. Schätzungsweise wurden insgesamt weniger als 25.000 Oysterquartz-Uhren produziert – für Rolex eine extrem geringe Stückzahl. Vermutlich im Jahr 2001 stellte der Genfer Hersteller die Produktion von Quarzuhren ein. Zwar hatte das Unternehmen mit dem 5335 und 5355 zwei neue Quarzwerke bis zur Serienreife entwickelt, doch Uhren mit diesen neuen Kalibern wurden nie produziert. Obwohl nur wenige „Oysterquartz“ auf den Markt gekommen waren, setzte mit Beginn der Mechanik-Renaissance ein Preisverfall ein, und man darf wohl vermuten, dass viele Juweliere froh waren, als sie endlich die letzte Batterie-Rolex verkauft hatten. Längst sind die „Oysterquartz“-Uhren somit in festen Liebhaber-Händen. Auf dem Gebrauchtuhrenmarkt findet man sie relativ selten. Mittlerweile ziehen die Preise sogar wieder an. Mit Blick auf die geringen Stückzahlen und das steigende Sammlerinteresse ist in den kommenden Jahren von weiteren Preissteigerungen auszugehen. Wer also noch eine günstige „Oysterquartz“ in sehr gutem Zustand findet, sollte auch als Mechanik-Freak durchaus zugreifen.
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