Geschrieben von: Michael Brückner   

Scalfaro – Contemporary Luxury „Leuchttürme“ für Individualisten

Scalfaro

Manche Namen klingen wie Poesie. Porto Rotondo zum Beispiel, Porto Cervo und Cap Ferrat. Sie alle wecken ganz bestimmte Assoziationen, entführen in privilegierte mediterrane Regionen, wo der gehobene Lebensstil und Luxus zu Hause sind. Der Markenname Scalfaro passt phonetisch in diese Reihe, obgleich er nicht für mondäne Destinationen am Mittelmeer steht, sondern eher metaphorische Bedeutung hat. „Der Begriff Scalfaro setzt sich zusammen aus ‚scalare’ und ‚faro’, was wörtlich übersetzt ‚aufsteigender Leuchtturm’ bedeutet“, erläutert Dominik Kuhnle.

Gemeinsam mit seinem Bruder Alexander Kuhnle gründete er im Jahr 2001 den Uhrenhersteller Scalfaro – Contemporary Luxury. Gefertigt werden die außergewöhnlichen Zeitmesser dieser kleinen, aber feinen Marke in den Scalfaro-Ateliers im Schweizer Jura.

Cap Ferrat – das ist eine exquisite Halbinsel zwischen Nizza und Monaco, die einst schon die Rothschilds zu schätzen wussten. Freunde edler Zeitmesser können aber auch eine Scalfaro Cap Ferrat an ihr Handgelenk legen und sich somit von der Lebensart der Côte d’Azur inspirieren lassen. Oder sie entscheiden sich für eine Uhr aus der Linie Porto Cervo, benannt nach dem pittoresken Städtchen an der Costa Smeralda, an dessen Marina oft die atemberaubendsten Yachten anzutreffen sind. Der Name des sardischen Seebades Porto Rotondo steht ebenfalls für eine Uhrenlinie von Scalfaro – und noch dazu für eine ganz besondere. Doch davon später mehr.

Ein aufsteigender Leuchtturm – was hat es damit auf sich? Man muss sich das aus der Perspektive eines Seefahrers vorstellen, der am Horizont ein Licht erspäht, das ihm Orientierung gibt und den Weg in den Hafen weist. Zuerst hat es den Anschein, als schwebe dieses Licht gleichsam über der Meeresoberfläche, dann steigt es immer weiter auf, bis der Leuchtturm auszumachen ist. Die Krümmung der Erde sorgt für diesen optischen Effekt. Uhrenfreunde sind häufig im Ozean der Offerten unterwegs, verlieren bisweilen die Orientierung, weil sich Marken und Modelle immer ähnlicher werden, weil die Marketingstrategen zwar wortreich Individualität beschwören, am Ende aber mehrheitlich einen Massengeschmack bedienen. Natürlich, da gibt es die Stil-Ikonen, die Design-Klassiker. Uhren, die man sogar aus größerer Distanz sofort erkennt. Aber selbst diese Zeitmesser bestechen nicht eben durch Individualität, stehen eher für das Bekenntnis zur Tradition, für das Festhalten am Bewährten, weil sich das vermeintlich Neue verliert in kurzlebigen Modetrends und in Launen, die manche Zeitgenossen irrtümlicherweise für Geschmack halten.

Dominik und Alexander Kuhnle

Dominik und Alexander Kuhnle, die einer bekannten Unternehmerfamilie mit langer Tradition in der Herstellung edler Schmuckstücke entstammen, hielten lange Ausschau nach „aufsteigenden Leuchttürmen“. Schon seit frühester Jugend interessieren sie sich für ausgefallene Zeitmesser und raffinierte Mechanik. Doch ihre individuelle Uhr suchten sie lange vergebens. „Wir fühlten uns einfach zu jung für die klassischen Modelle. Und viele der neueren Uhren schienen uns zu sehr von Modetrends mit kurzer Halbwertszeit geprägt“, erläutert Dominik Kuhnle. Somit war der weitere Weg der Brüder fast schon programmiert. Sie bauten ihre eigenen Uhren, die einer ganz bestimmten Philosophie folgten. „Für uns stellen mechanische Uhren eine faszinierende und äußerst lebendige Verbindung von Handwerkskunst, Mechanik, Ästhetik und Persönlichkeit dar. Genau diese einmalige Mischung hat uns schon immer begeistert“, erläutert Alexander Kuhnle. Somit war klar, dass die neue Marke exakt diese Vorgaben erfüllen musste. Der traditionellen Uhrenbranche eine zeitgemäße Facette hinzuzufügen – dieser Leitstrahl gab den Unternehmensgründern Orientierung. Dass die meisten Produktlinien der Kollektion die Namen von ersten Adressen am Mittelmeer tragen, kommt dabei nicht von ungefähr. Uhren von Scalfaro sollen zum einen für ein mediterranes Lebensgefühl und zum anderen symbolhaft für eine besondere Definition von Luxus stehen. Daher wurde der Firmenname auch um den Zusatz Contemporary Luxury (also ‚zeitgemäßer Luxus’) ergänzt.

Klingt gut, aber was ist darunter im Klartext zu verstehen? „Eine zeitgemäße Interpretation von Luxus muss einerseits die veränderte Lebensgeschwindigkeit unserer Zeit berücksichtigen. Und sie muss andererseits die funktionalen Anforderungen mit lupenreiner Qualität, höchster Handwerkskunst und starkem Design beantworten. Wir bauen also Zeitmesser für Menschen, die einen aktiven Lebensstil pflegen und einen ausgeprägten Sinn für Qualität und Individualität besitzen“, interpretiert Alexander Kuhnle die Markenphilosophie.

Wer diese Maximen ebenso wie das Lebensgefühl der Brüder Kuhnle teilt, kann aus der zwar überschaubaren, aber dennoch facettenreichen Kollektion eine Drei-Zeiger-Uhr ab 2500 Euro oder eine Edelvariante mit Diamantbesatz zum Preis von 50000 Euro erstehen. Die Uhren mit Komplikationen kosten laut Liste überwiegend zwischen 4000 und knapp 9000 Euro. Die Cap Ferrat beispielsweise gibt es mit „Kleiner Sekunde“, als GMT-Variante und natürlich mit der allseits beliebten Chronographen-Funktion. Auch die Modelle der Linie Porto Cervo sind mit verschiedenen Komplikationen (und naturgemäß zu unterschiedlichen Preisen) erhältlich. Flaggschiff hierbei ist der Porto Cervo Flyback-Chronograph mit Großdatum. Die Uhren der Modellreihe North Shore stehen – wie die geographische Bezeichnung vermuten lässt – für „raue Schönheit“, die Freunde von sehr markantem Design gefallen will.

Mit einer ganz anderen, recht eigenwilligen Schönheit und besonderen inneren Werten überzeugt die Porto Rotondo RetroMoon. In ihr spiegelt sich nicht nur die Vorliebe der Kuhnle-Brüder für die Art-Déco-Periode wider. Vielmehr wartet die Uhr mit einem mechanischen Leckerbissen auf: In ihrem Inneren tickt ein eigenes Scalfaro-Kaliber, das die dezentrale Anzeige von Stunden und Minuten, die retrograde Sekunde, die Mondphase und die Datumsfunktion verbindet. Diese RetroMoon-Komplikationsuhren gibt es ab 8850 Euro. Dies ist zudem das erste Armbanduhrwerk inklusive Ersatzteilfach für die Verschleißteile des Mechanismus der retrograden Sekundenanzeige – sozusagen eine Weltpremiere von Scalfaro.

Überhaupt besticht die Marke durch zahlreiche Eigen- und Neuentwicklungen. Das zeigt sich nicht nur in dem erwähnten eigenen Scalfaro-Kaliber. „Auch bei der Gehäusekonstruktion und Gehäusebearbeitung können wir Neuentwicklungen vorweisen“, berichtet Dominik Kuhnle. Zum Beispiel das Scalfaro Multi Step Gasket System, das die Dichtungen der Uhr vor Flüssigkeitskontakt schützt.

Zu den Merkmalen, die allen Mitgliedern der Scalfaro-Modellfamilie gemein sind, gehört eine eigenständige, charaktervolle Designsprache. So wird der Stil dieser Uhren von einer mehrstufigen Gehäusearchitektur, einer aufwändigen Oberflächengestaltung mit formbetonten Facetten und verlängerten Bandanstößen bestimmt. Eine Scalfaro soll „wie aus einem Guss“ wirken und gleichermaßen Sportlichkeit und Eleganz, Dynamik und Funktionalität repräsentieren, betonen die Inhaber des Familienunternehmens. „Uns geht es nicht um die heute übliche, unpersönliche Stromlinienoptimierung, wie sie oft in den Großkonzernen üblich ist, bei denen es meist mehr um Zahlen geht, als um Persönlichkeit, Emotionen und den Aufbau einer Beziehung mit den Geschäftspartnern. Unser mittelständisch strukturiertes Unternehmen haben wir daher langfristig auf kompromisslose Qualität und die Wertschätzung der Kraft von Menschen ausgerichtet“, versichert Dominik Kuhnle.

Ein Statement, das ohne Frage perfekt in jede Imagebroschüre passt – und deshalb von kritischen Verbrauchern eher zurückhaltend aufgenommen werden dürfte. Kompromisslose Qualität – welches Unternehmen wird sich nicht zu diesem Ziel bekennen? Gerade in der Uhrenbranche mangelt es nicht an inhaltsleeren Floskeln. Es kann also nicht schaden, unabhängige Juweliere und Uhrmacher um ihre Meinung zu bitten, was wir im Übrigen bei allen in diesem Buch vorgestellten Marken taten. Ergebnis: Die Experten bestätigten die ausgezeichnete Verarbeitungsqualität der Scalfaro-Uhren. Dass die Marke derzeit nur dem „harten Kern“ der Uhrenfreunde bekannt ist, wird vielleicht manchen stören, der auf die Prestigekraft der großen Namen aus der Schweiz und dem sächsischen Glashütte setzt, hat aber andererseits den Charme besonderer Individualität.

Scalfaro Espen Oeino

Neben den erwähnten Produktlinien brachte Scalfaro in den vergangenen Jahren einige bemerkenswerte limitierte Sondereditionen auf den Markt. So zum Beispiel ein Modell, das in Zusammenarbeit mit Espen Oeino entstand, einem international bekannten und geschätzten Designer für Superyachten. Selbst jenen, die sich bislang nur kursorisch mit Luxusschiffen beschäftigt haben, braucht man Espen Oeino kaum vorzustellen. Es genügt meist, nur drei Namen seiner bekanntesten Yachten zu nennen: Skat, Kismet und Silver. Die im Januar 2007 von der Lürssen-Werft in Bremen ausgelieferte Megayacht Kismet zeigte schon auf ihrer Jungfernfahrt, was in ihr steckt. Die 68 Meter lange und 12,80 Meter breite Yacht hat eine Reichweite von 5000 Meilen und schaffte somit locker die Fahrt aus Europa in die Karibik. Sie kann monatelang auf den Ozeanen kreuzen, ohne einen Hafen anlaufen zu müssen. Ihr Außendesign von Espen Oeino rief in der Karibik ebenso Begeisterungsstürme hervor wie auf der Monaco Yacht Show.

Den Flyer, mit dem Scalfaro für das limitierte Sondermodell Espen Oeino wirbt, ziert das Bild einer weiteren Megayacht, die nach den Entwürfen des in Monaco ansässigen Schiffsarchitekten ebenfalls bei Lürssen in Bremen entstand: die 70,7 Meter lange und 13,5 Meter breite Skat, die zehn Gästen und 16 Mann Besatzung ausreichend Platz und ein höchst luxuriöses Ambiente bietet. Die australische Werft Hanseatic Marine schließlich baute nach den Plänen von Espen Oeino die Superyacht Silver, die für 200000 bis 300000 US-Dollar pro Woche plus Nebenkosten gechartet werden kann. Auch sie gilt als eine der schönsten Yachten der Welt.

Die Brüder Kuhnle lernten den Yacht-Architekten Espen Oeino während der Monaco Yacht Show kennen – und bemerkten sehr schnell, dass sie ähnlichen Philosophien bei der Definition von Qualität und der Interpretation von Luxus folgen. Das Ergebnis dieser Übereinstimmung ist die Scalfaro Sonderedition Espen Oeino. Eine Premiere: Zum ersten Mal in der Geschichte der Uhrmacherkunst war ein Yachtdesigner an der Kreation eines neuen Zeitmessers wesentlich beteiligt. So kann es nicht verwundern, dass am Ende eine maritime Uhr entstand, die – wie es dem Stil Espen Oeinos entspricht - höchste Eleganz mit schnittiger Sportlichkeit kombiniert und obendrein durch feine Uhrmacherkunst überzeugt. Das Gehäuse weist die für Scalfaro typische mehrstufige Architektur auf, wo satinierte und glanzpolierte Flächen und Facetten für eine brillante Optik sorgen. Im Inneren des Edelstahlgehäuses arbeitet ein fein dekoriertes mechanisches Chronographenwerk ADK 150 der Schweizer Manufaktur La Joux-Perret. Die Scalfaro for Espen Oeino. („The only way of wearing a yacht on the wrist“) ist auf 100 Stück limitiert.

Gerade einmal 33 Exemplare kamen von der Sonderedition Scalfaro for Bruno Spengler auf den Markt, die beim Eröffnungsrennen der DTM 2010 auf dem Hockenheimring präsentiert wurde. Mithilfe der Keramik-Intarsien-Technologie von Scalfaro wurden der Schriftzug des DTM-Rennfahrers Bruno Spengler (im Herbst 2010 Führender der Gesamtwertung) sowie ein rotes Ahornblatt als Referenz an seine Wahlheimat Kanada auf der Gehäuseseite integriert. Als Hinweis auf Spenglers Zugehörigkeit zum deutschen HWA-AMG-Mercedes-Rennteam sind die Farben Schwarz-Rot-Gold als massive Keramikelemente in den Glasring des Chronographen eingefasst. Schließlich brachte Scalfaro auch noch eine Sonderedition in Zusammenarbeit mit der renommierten Société Nautique de Monaco auf den Markt.

Wem das längst nicht individuell genug ist, für den könnten die Scalfaro Individual-Uhren in Betracht kommen. Auf Wunsch fertigt der Hersteller exklusive Unikate und Kleinserien in kreativer Zusammenarbeit mit den Auftraggebern. „Mittels aufwändiger Handarbeit und neuentwickelter Techniken setzen wir die individuellen Gestaltungswünsche und Vorstellungen des Kunden stilsicher um. Ganz gleich, ob es sich zum Beispiel um prägnante Merkmale eines Hobbys, Sports oder Oldtimers handelt. Mitunter sind es aber einfach nur die Initialen. Wir garantieren in all diesen Fällen die Umsetzung auf höchstem Niveau“, verspricht Alexander Kuhnle.

Wer weiß, vielleicht entdeckt mancher auf diese Weise seinen ganz persönlichen „Leuchtturm“.

 
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