| Geschrieben von: Bogomir Feinstein | |
Whisky-Investment: Auf der Suche nach „Lost Distilleries“
Whisky als Asset-Klasse erscheint manchem noch immer reichlich exotisch. Wenn es schon „liquide Anlageformen“ sein sollen, dann gelten nach wie vor rare Weine, vor allem aus dem Bordeaux, als erste Wahl. Dabei gibt es Whisky-Auktionen in größerem Umfang schon seit den 1980er Jahren. Damals kamen im renommierten Auktionshaus Christies’s die ersten nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Whisky-Sammlungen unter den Hammer. Verwundert rieben sich da viele Freunde dieses Edelbrandes die Augen: Der Wert mancher Single Malts war in rund 30 Jahren um das Fünf- bis Zehnfache gestiegen. Im Jahr 2002 wurde eine Flasche (!) eines damals 62 Jahre alten Whiskys der renommierten Destillerie Dalmore für sage und schreibe 31.500 Euro versteigert. Wer hochprozentig investieren möchten, muss sich allerdings nicht unbedingt in diesen Größenordnungen bewegen. Whisky-Experte Thomas B. Ide berichtet von Bränden, die vor zehn Jahren rund 180 Euro pro Flasche kosteten, mittlerweile aber so stark gefragt sind, dass sie locker bis 1.000 Euro bringen können. Eine ansehnliche Rendite – noch dazu garantiert quellensteuerfrei. Das klingt gut, doch sollte man bei Whisky-Investments vorsichtig sein. Selbst erfahrene Spirituosen-Experten trauen sich bisweilen an dieses Thema nicht heran. Und so mancher, der sich vom bernsteinfarbenen Getreidebrand aus Schottland einen kräftigen Schluck aus der Renditepulle genehmigte, erwachte mit einem finanziellen Kater. Die erste Empfehlung lautet daher: Kaufen Sie Spitzen-Whiskys nur bei Fachhändlern oder in renommierten Auktionshäusern (zum Beispiel www.bonhams.com; www.mctears.co.uk oder www.whiskyauction.com). Nur Single Malts bergen PotenzialGrundsätzlich stehen die Zeichen gut, dass die Preise für die flüssigen Preziosen in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Der Grund: Rund um die Welt entdecken immer mehr renditeorientierte Genießer den besonderen Reiz einer Whisky-Sammlung. Allerdings: „Unter Investment-Gesichtspunkten sollte man ausschließlich in Single Malt Whiskys investieren. Hände weg von Blended Whiskys“, rät Thomas B. Ide, der vor vielen Jahren sein Hobby zum Beruf machte und in Rheinfelden die „Whisky-Chamber“ aus der Taufe hob. Was aber macht Single Malt Whiskys so einzigartig, weshalb findet dieser Nobelbrand immer mehr Freunde, gerade auch in Asien und Russland? Und es mag Sie überraschen, ist aber eine Tatsache: Die Franzosen trinken mehr Whisky als Cognac. Ein Single Malt Whisky darf nur aus gemälzter Gerste (daher „Malt“) in einer einzigen Destillerie hergestellt worden sein. Malt-Whiskys aus verschiedenen Destillerien heißen „Blended Malt“ oder „Vatted Malt“. Natürlich gibt es auch Single Malts aus anderen Ländern, zum Beispiel Irland. Als Anleger sollten Sie sich indessen auf den schottischen Single Malt Whisky (Scotch Single Malt) konzentrieren.
In Schottland unterscheidet man vier Whisky-Regionen, als da wären: Highlands, Speyside, Island und die Lowlands. Differenzierter betrachtet, gilt es folgende Regionen und Unterregionen zu unterscheiden:
Single Malts aus dem Süden überzeugen oft durch einen intensiven Geschmack. Aus dem Norden hingegen kommen die etwas milderen Varianten. Freunde des Malt-Whiskys schätzen vor allem die außerordentliche Geschmacksvielfalt dieser Nobelbrände. Eigentlich erstaunlich, wird doch jeder Single Malt - wie erwähnt - aus reinem Gerstenmalz gebrannt. Danach reift er mindestens drei Jahre in Fässern, in der Regel freilich wesentlich länger. Der Geschmack und die Aromen von Single Malts werden vor allem von vier Kriterien bestimmt. So entscheidet zum Beispiel die Brennerei, ob das Malz nach dem Keimen mit neutraler Heißluft oder Torfrauch gedarrt wird. Bei der Verwendung von Torfrauch erhält der Malt später einen mehr oder minder stark ausgeprägten torfigen Geschmack. Das lieben viele Whisky-Freunde, andere wiederum können sich damit überhaupt nicht anfreunden. Ferner spielt die Gärung eine wichtige Rolle. Aus dem gemahlenen Malz wird zunächst mit heißem Wasser der Zucker gelöst. Nach der Abkühlung setzt man Hefe zu – die Gärung kann beginnen. Allerdings gibt es erhebliche Unterschieden zwischen den Hefestämmen. Manche verleihen dem späteren Whisky eine frische, fruchtige Komponente. Die Whiskyfreunde werden an Äpfel, Birnen oder Zitrusfrüchte erinnert. Andere Hefestämme sorgen für frische Blumen- oder Grasaromen. Wieder andere erzeugen komplexe, würzige Aromen. Drittens entscheidet die Bestimmung der Fässer über den späteren Charakter. Junge Fässer sind dabei nicht geeignet, ihr Geschmack wäre zu intensiv. Daher reift das „Gold Schottlands“, wie der Single Malt häufig genannt wird, in gebrauchten Eichenfässern heran. Kenner schätzen spanische Sherryfässer, die allerdings recht teuer sind. Daher verwenden einige schottische Destillerien mittlerweile Fässer, die zuvor Kentucky-Bourbon oder Tennessee-Whiskey enthielten (US-amerikanischer und irischer Whiskey wird übrigens mit „e“, schottischer und kanadischer Whisky ohne „e“ geschrieben). Schließlich entscheidet die Lagerung über den späteren Geschmack und die Aromen des Whiskys. Dabei gilt, wie im Übrigen fast für alle Edel-Spirituosen: Je länger, desto besser. Im Laufe der Jahre reifen die zunächst noch frischen Aromen. Zugleich übernimmt der Whisky mehr und mehr Substanz aus der Fasswand. Neben Rauchigkeit, Gärung, Wahl der Fässer und der Lagerung bestimmen natürlich auch die Qualität der Destillation und die Art der eingesetzten Brennblasen über den Charakter des späteren Produkts. Sammler und Investoren sollten ferner ausschließlich in Originalabfüllungen investieren, also in Whiskys, die unmittelbar vom Hersteller auf Flasche gefüllt werden. Die Brände unabhängiger Abfüller mögen in manchen Fällen sogar qualitativ besser sein, ihr Renditepotenzial ist in der Regel aber beschränkt. Ähnlich wie beim Wein, zählen beim Whisky die prestigeträchtigen Namen. Besonders interessant erscheinen Brände aus dauerhaft geschlossenen Destillerien, die ihre Brennlizenzen zurückgegeben haben und somit niemals wieder brennen werden. Die Whiskys aus diesen „Lost Distilleries“, wie sie im Fachjargon heißen, sind äußerst rar. Nachschub ist nicht mehr zu erwarten, da die Brennerei geschlossen ist. Trifft dieses beschränkte Angebot auf eine steigende Nachfrage, können die Preise explodieren. Einige der ersten Adressen haben wir in nachfolgender Tabelle aufgelistet. Lost Distilleries“ die ein Investment lohnen
Bilder: Panthermedia
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